Alexander Schallenberg:Diplomat von Kurz' Gnaden

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Österreichs Kanzler Kurz und Außenminister Schallenberg

Alexander Schallenberg, derzeit Außenminister, soll statt Sebastian Kurz Bundeskanzler werden.

(Foto: Robert Jaeger/dpa)

Sebastian Kurz bestimmt mit Alexander Schallenberg einen engen Vertrauten zu seinem Nachfolger. Wofür steht der bisherige Außenminister politisch?

Von Martin Langeder

Kanzler Sebastian Kurz tritt zurück - und holt einen langjährigen Vertrauten als seinen Nachfolger ins Wiener Bundeskanzleramt. Nach Wunsch des 35-jährigen Noch-Kanzlers soll der derzeitige Außenminister Alexander Schallenberg der 16. Bundeskanzler in der Zweiten Republik Österreichs werden.

Alexander Schallenberg entstammt einem alten Adelsgeschlecht und kam im schweizerischen Bern zur Welt. Die Diplomatie wurde dem 52-Jährigen in die Wiege gelegt: Als Kind eines Botschafters wuchs er in Indien, Spanien und Paris auf, wo sein Vater Wolfgang Schallenberg Station machte.

Nach der Ibiza-Affäre in die erste Reihe der Politik

Nach seinem Jura-Studium begann Alexander Schallenbergs berufliche Karriere 1997 im Außenministerium in Wien. Von 2000 bis 2005 leitete er die Rechtsabteilung der Ständigen Vertretung Österreichs in Brüssel und knüpfte dabei enge Bande zu Journalisten. Bis heute pflegt er einen guten Draht zu den Medien. Er gilt als umgänglich und leutselig.

2006 kehrte Schallenberg nach Wien zurück und diente jahrelang ÖVP-Außenministern als Pressesprecher. 2013 ernannte ihn Sebastian Kurz in seiner damaligen Funktion als Außenminister zum Leiter der Stabsstelle für strategische außenpolitische Planung.

Nachdem das erste Kabinett Kurz 2019 wegen der Ibiza-Affäre zerbrach, wurde Schallenberg in die erste Reihe geholt - als Außenminister in der Übergangsregierung von Bundeskanzlerin Brigitte Bierlein.

Nach dem neuerlichen Wahlsieg von Kurz im Herbst 2019 blieb der vierfache Familienvater als einziger Minister der Übergangsregierung der aktuell amtierenden türkis-grünen Regierung erhalten. Als ÖVP-Mitglied steht er hinter der politischen Linie der unter Kurz nach rechts gerückten Volkspartei - und verteidigt sie mit markigen Worten.

Sebastian Kurz, mächtiger Einflüsterer

In der Debatte um die Verteilung von Geflüchteten in Europa sagte er nach der Brandkatastrophe im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos: "Das Geschrei nach Verteilung kann nicht die Lösung sein." In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin profil bezeichnete er sich in der Migrationsfrage als "Überzeugungstäter". Das Parkett der Innenpolitik ist neu für den Außenpolitiker. In Kurz, der als ÖVP-Fraktionsobmann in den Nationalrat wechselt, wird Schallenberg wohl einen in der Machttaktik mit allen Wassern gewaschenen Einflüsterer haben.

Mit der aktuellen Korruptions-Affäre hat Schallenberg nach bisherigem Wissenstand nichts zu tun. Die handelnden Personen kennt der Kanzler in spe aber sehr wohl: Gemeinsam mit Thomas Schmid, dessen 300 000 sichergestellte Chatnachrichten die aktuellen Ermittlungen auslösten, war er Pressesprecher des ehemaligen ÖVP-Außenministers Michael Spindelegger, der auch als Ziehvater von Sebastian Kurz gilt.

Nachdem das Vertrauen der türkis-grünen Regierungspartner wegen der Ermittlungen gegen Kurz zuletzt gelitten hatte, trafen sich Vizekanzler Werner Kogler von den Grünen und Schallenberg am Sonntagvormittag zu einem ersten Vieraugengespräch. Kogler bezeichnete den gut einstündigen Termin als gut und vertrauensvoll. Er freute sich, "ein neues Kapitel in der Regierungszusammenarbeit aufzuschlagen".

Schallenberg war am Sonntag auch zu Gast bei Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Auf dem Weg in die Präsidentschaftskanzlei sprach er gegenüber Journalisten von einer "enorm herausfordernden Aufgabe und Zeit". Seine Nominierung zum Kanzler sei jedenfalls eine "Überraschung für uns alle".

Seine offizielle Ernennung zum Regierungschef durch Van der Bellen ist für Montag um 13 Uhr angesetzt. Erst danach will sich Schallenberg, ganz Diplomat, in der Öffentlichkeit näher zu seiner neuen Aufgabe äußern.

Der Bundespräsident äußerte sich schon am Sonntagabend in einer kurzen Fernsehansprache. Er erklärte die Regierungskrise für beendet und entschuldigte sich für das Sittenbild, das die Politik abgegeben habe.

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