Serie „Original aus Wien“, Folge 16Peter Alexander der Große

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Peter Alexander führte als Entertainer mehr als 30 Jahre lang durch seine gleichnamige Samstagabendshow. Diese lief von 1963 bis 1996 im WDR, ZDF und ORF.
Peter Alexander führte als Entertainer mehr als 30 Jahre lang durch seine gleichnamige Samstagabendshow. Diese lief von 1963 bis 1996 im WDR, ZDF und ORF. (Foto: Collage: Katharina Wutta; Fotos: Ernst Weingartner; imago)

Der Schauspieler, Sänger und Entertainer Peter Alexander war einer der populärsten Unterhaltungskünstler der Nachkriegsjahre. Er galt als „Mensch gewordene heile Welt“.

Von Gerhard Fischer

Als Peter Alexander am 12. Februar 2011 starb, titelte Der Spiegel in seinem Nachruf: „In der kleinen Kneipe geht das Licht aus.“ Das war eine Anspielung auf ein Lied von Alexander. „Die kleine Kneipe in unserer Straße“, sang er, „da, wo das Leben noch lebenswert ist. Dort in der Kneipe in unserer Straße, da fragt dich keiner, was du hast oder bist.“ Peter Alexander liebte den Mikrokosmos, sei es eine Kneipe, sei es sein überschaubares Wien oder sein deutschsprachiges Publikum. Ein Engagement etwa in Hollywood lehnte er ab – es  fehle ihm dort, so sagte er, an diesem Gefühl, beim Heurigen zu sitzen und das Leben zu genießen, in Ruhe und Freundlichkeit. Für die Süddeutsche Zeitung war der massentaugliche Sänger, Schauspieler und Entertainer „die Mensch gewordene heile Welt“.

Peter Alexander wurde am 30. Juni 1926 unter dem Namen Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer als Sohn eines Kindermädchens und eines Bankangestellten in Wien geboren. Bereits als Kind sang er und parodierte Mitmenschen; manchmal ging er wohl zu weit – er musste das Gymnasium offenbar wegen Lausbubenstreichen verlassen.  1944 wurde er eingezogen, 1945 geriet er in englische Kriegsgefangenschaft; dort, in Lagern in Ostfriesland, trat er in Laiengruppen als Schauspieler und Sänger auf. Nach seiner Freilassung besuchte er das Max-Reinhardt-Seminar in Wien – gegen den Willen seiner Eltern, die wollten, dass er Medizin studiert. Im Reinhardt-Seminar nannte er sich erstmals nur Peter Alexander.

Es folgte eine fulminante Karriere als Sänger („Das machen nur die Beine von Dolores“) und Schauspieler („Im Weissen Rössl“, „Charleys Tante“), die ihn zu einem der populärsten Unterhaltungskünstler der Wirtschaftswunderjahre werden ließ. Der Spiegel hat das Ganze auch in Zahlen vermessen: knapp 50 Millionen verkaufte Tonträger, Rollen in 38 Unterhaltungs- und Revuefilmen. Und weil er vieles konnte – singen, parodieren, tanzen, schwadronieren, charmieren, Klavier spielen –, war dieser fesche, stets lächelnde Entertainer prädestiniert für eine Samstagabendshow: die „Peter-Alexander-Show“.  Da saß dann die ganze Familie und jeweils die halbe Nation (in Österreich und Deutschland) vor dem Fernseher. Er war dann doch Peter Alexander der Große, obwohl er auf eine Weltkarriere in Hollywood verzichtet hatte.

Nach dem Tod seiner Frau Hilde 2003 zeigte er sich nicht mehr in der Öffentlichkeit. 2009 verunglückte Tochter Susanne bei einem Autounfall tödlich. Seine heile Welt war damit endgültig dahin. Zwei Jahre später starb er selbst, und die Süddeutsche Zeitung zitierte in ihrem Nachruf den Schauspieler Ernst Stankovski, der einst über Peter Alexander gesagt hatte, dieser habe sein Publikum „gewonnen durch Bescheidenheit, Zurückhaltung, sogar Schüchternheit“. Und er glaube nicht einmal, dass es eine Masche war.

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