Serie „Original aus Wien“, Folge 12„Das Publikum? Lachte Tränen“

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Otto Schenk wurde 94 Jahre alt. Er starb am 9. Jänner 2025 und wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt.
Otto Schenk wurde 94 Jahre alt. Er starb am 9. Jänner 2025 und wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Collage: Alexander Bauer, Fotos: Imago

Der Humorist, Schauspieler und Regisseur Otto Schenk galt als Österreichs Staatskomödiant. In München gibt es eine Operninszenierung, die über seinen Tod hinaus zu sehen ist.

Von Gerhard Fischer

Ja, Otto Schenk war Schauspieler und Regisseur, aber damit ist er bloß unzureichend beschrieben: Er war auch Possenreißer, Grantler, milder Misanthrop, Pointenmatador, Witzeerzähler, ungekrönter König des gepflegten Humors, Antiheld-Darsteller, Meister des Understatements, Publikumsliebling, Betoner des Marginalen, durchtriebener Greis; manche sagten sogar, er war Österreichs Staatskomödiant. Legendär waren seine Lesungen  („Sachen zum Lachen“), bei denen er meistens wahre Anekdoten erzählte und komische Texte rezitierte. Mit Begeisterung servierte er das Ringelnatz-Gedicht vom Bumerang, der zu lang ist und deshalb nicht zurückkommt: „Publikum noch stundenlang / wartete auf Bumerang.“

Otto Schenk wurde am 12. Juni 1930 als Sohn eines Juristen in Wien geboren. Er wollte zunächst Dichter werden,  studierte dann aber doch Schauspiel am Max-Reinhardt-Seminar. 1952 bekam er am Wiener Volkstheater sein erstes Festengagement, später spielte er bei den Salzburger Festspielen, in den Münchner Kammerspielen, im Wiener Burgtheater und – vor allem – im Theater in der Josefstadt. „Eigenheiten wie die herunterhängende Kinnlade, der Dackelblick und der kunstvoll vernuschelte Sprechduktus haben sich im Lauf der Jahre zu Manierismen verfestigt, die zu seinen Markenzeichen wurden“, schrieb die Süddeutsche Zeitung in ihrem Nachruf.

Er sei ein Instinktschauspieler gewesen, hieß es in einigen Laudationen, und einer, der in der Hochkultur (Shakespeare, Molière, Nestroy)  zu Hause war, aber nicht nur dort. In dem Boulevardstück „Die Sternstunde des Josef Bieder“ machte er als Requisiteur eine Liebeserklärung ans Theater.  „Als Balletttänzer im Feinrippleibchen schlug er der Gravitation ein Schnippchen“, schrieb Der Standard. „Er zwirbelte seine Erscheinung empor in lichte Anmutshöhen. Das Publikum? Lachte Tränen. Zugleich war es zutiefst gerührt.“

Und er war Regisseur, hauptsächlich Opernregisseur. 16 Mal inszenierte er an der Met in New York; an der Staatsoper in München wurde sein „Rosenkavalier“ 46 Jahre lang gespielt, seine 1969 dort inszenierte Oper „La Bohème“ ist immer noch zu sehen). Das Theater in der Josefstadt leitete er von 1988 bis 1997 als Direktor. Damals war der begeisterte Eisläufer auch Präsident des Wiener Eislaufvereins.

Das Magazin Profil interviewte ihn anlässlich seines 90. Geburtstags und wollte wissen, ob es ihm gelungen sei, im Alter „nicht zu vertrotteln“; das habe er sich doch immer gewünscht. „Nicht ganz“, antwortete Schenk. „Ich war immer ein Trottel.“ Am 9. Jänner 2025 ist Otto Schenk in seinem Haus am Irrsee 94-jährig gestorben, knapp drei Jahre nach seiner Frau Renée, mit der er 65 Jahre verheiratet gewesen war. Dieser Tage wurde bekannt, dass sein Nachlass 2026 vom Wiener Dorotheum versteigert wird, darunter Gemälde, Objekte der Wiener Werkstätten und Schenks Baskenmütze.

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