Serie „Original aus Wien“, Folge 7Festgesteckt in 800 Grad Hitze

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Der Rennfahrer Niki Lauda sagte einmal, es gebe Menschen, die immer wieder neue Herausforderungen suchten. „Zu denen gehöre ich.“
Der Rennfahrer Niki Lauda sagte einmal, es gebe Menschen, die immer wieder neue Herausforderungen suchten. „Zu denen gehöre ich.“ Collage: Alexander Bauer, Fotos: Imago, dpa

Niki Lauda wurde dreimal Formel-1-Weltmeister und gründete eine Fluglinie. In Erinnerung bleibt auch sein dramatischer Unfall auf dem Nürburgring.

Von Gerhard Fischer

Die Formel-1-Fahrer der 1970er-Jahre hatten tolle Namen: Emerson Fittipaldi, Jackie Ickx, Clay Regazzoni – und Niki Lauda. Lauda wurde dreimal Weltmeister, zweimal mit Ferrari, einmal mit McLaren. Unvergessen ist aber auch, wie er am 1. August 1976 am Nürburgring verunglückte und schwere Verbrennungen erlitt. Im Mai 2019 schrieb die Süddeutsche Zeitung in ihrem Lauda-Nachruf: „Seine zu Hilfe geeilten Kollegen konnten ihn nur schwer befreien, weil Benzin aus dem Tank gelaufen war und Feuer gefangen hatte. Lauda atmete giftige Dämpfe ein, seine Haut verbrannte. Als ihm Arturo Merzario den Gurt öffnen konnte, während Harald Ertl die Flammen mit einem Feuerlöscher zurückdrängte, hatte Lauda eine Weile in 800 Grad Hitze festgesteckt ...“ Lauda war trotzdem bei Bewusstsein, und später erzählte er, dass er seinen Retter Merzario gefragt habe, wie er aussehe. „Ein bisschen eitel war ich also wohl doch.“

Andreas Nikolaus Lauda wurde am 22. Februar 1949 in Wien geboren, als Sohn von Elisabeth und Ernst-Peter Lauda. Der Vater und der Großvater Hans waren wohlhabende Industrielle. Niki Lauda besuchte das Privatgymnasium in Bad Aussee und fuhr schon mit 15 sein erstes Auto, ein VW-Käfer-Cabriolet; wo er damit fuhr, er hatte ja noch keinen Führerschein, ist nicht überliefert. Lauda sagte nur, er habe mit dem VW Käfer „ jeden erdenklichen Blödsinn“ gemacht. Und er beschloss, Rennfahrer zu werden.

Für einen Startplatz in der Formel 1 brauchte er Geld. Da er von seiner Familie nichts bekam, nahm er einen Kredit auf – und startete 1972 für das Team March. 1974 kam er zu Ferrari, dessen Chef den tollen Namen Luca de Montezemolo trug. 1975 wurde Lauda erstmals Weltmeister. Zu seinem größten Rivalen erwuchs nun James Hunt, ein Lebemann und Draufgänger, auf dessen Overall stand: „Sex – Breakfast of Champions“. Lauda indes gewann seine Rennen nicht, indem er nur Gas gab. „Er gewann sie durch Präzision“, schrieb die SZ. Nach seiner Rennsport-Karriere gründete er die Fluglinie Lauda Air. Es gebe Menschen, die immer wieder neue Herausforderungen suchten, sagte Lauda. „Zu denen gehöre ich.“

Lauda war zweimal verheiratet und hatte fünf Kinder. Lukas Lauda, ein Sohn aus der Ehe mit Marlene Knaus, sagte neulich zum Corriere della Sera, sein Vater sei auch sein Freund gewesen: „Er brachte mir bei, demü­tig zu sein, nicht anzu­ge­ben, nie­mals über Geld zu spre­chen, höf­lich zu sein und mich nicht zu ernst zu neh­men.“ Niki Lauda starb am 20. Mai 2019 an Nierenversagen. Er wurde als erster Sportler im Stephansdom aufgebahrt und danach in seinem Rennoverall auf dem Friedhof Heiligenstadt in Wien bestattet.

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