Österreich Milliardär Stronach plant Rückzug aus der Politik

Der Erfolg als Unternehmer hat ihm nicht zum großen Triumph als Politiker verholfen: Magna-Gründer Frank Stronach kündigt nach dem schlechten Wahlergebnis des Team Stronach nun an, sich "früher oder später" aus der Politik zu verabschieden. Seine Partei behält er dennoch fest in der Hand.

Der Milliardär und Parteigründer Frank Stronach hat knapp einen Monat nach der Parlamentswahl in Österreich seinen Rückzug aus der Politik angekündigt. In etwa einem Jahr wolle er von der politischen Bühne wieder abtreten, sagte der Gründer des kanadischen Autozulieferers Magna in Interviews mit dem ORF, dem Kurier und der Tageszeitung Österreich.

"Ich habe immer gesagt, dass ich mich früher oder später zurückziehen werde", sagte der 81-Jährige. Früher oder später könne in einem halben Jahr, einem Jahr oder eineinhalb Jahren seien, schränkte er den Zeithorizont ein. "Auf alle Fälle will ich hier nicht Jahre dabei sein", sagte er.

Stronach zieht nach der Österreich-Wahl Ende September nun zunächst als Abgeordneter ins Parlament ein. Er wolle jedoch jüngere Mitglieder der von ihm gegründeten Partei Team Stronach weiterbringen: "Die Wähler wollen Politiker, die jünger und ständig in Österreich sind." Stronach pendelt zwischen Österreich und seiner zweiten Heimat Kanada hin und her.

Stronach war mit der von ihm finanzierten Partei Ende September erstmals bei einer Nationalratswahl angetreten. Das Ergebnis von 5,8 Prozent blieb aber klar unter seinen Erwartungen. Mit seiner Kritik an den Regierungsparteien SPÖ und ÖVP sowie der Europäischen Union hoffte er, Protestwählern anzusprechen, und fischte bei Anhängern der rechtspopulistischen Freiheitlichen Partei (FPÖ) nach Stimmen.

Wahl in Österreich

Alpha-Männer und eine Frontfrau

In den Wahlkampf investierte Stronach laut dem Forschungsinstitut Focus Research mehr als zehn Millionen Euro - deutlich mehr als SPÖ und ÖVP. Nach der Wahl war Stronach wegen der undemokratischen Führung seiner Partei in Kritik geraten. Er tauschte Parteifunktionäre durch Angestellte seines Unternehmens aus und soll die Wahlkampf-Millionen zurückgefordert haben.

Stronach wuchs in ärmsten Verhältnissen in der Steiermark auf und verwirklichte seinen "American" oder vielmehr "Canadian Dream": Als Auswanderer baute der gelernte Werkzeugmacher in Kanada aus einer Garage heraus den Weltkonzern Magna auf. Der Unternehmer und Politiker ist für seinen autoritären Stil bekannt. Nach einem möglichen Nachfolger gefragt, sagte er dem Kurier, dass noch alles offen sei: "Das werden die Mitglieder bestimmen. Aber ich habe großen Einfluss auf die Mitglieder."

Österreich steuert trotz Verlusten der Sozialdemokraten und Konservativen auf eine Neuauflage der großen Koalition zu. SPÖ und ÖVP hatten jeweils etwa zwei Prozentpunkte verloren. Sie stellen noch 52 und 47 Parlamentarier. Damit haben sie insgesamt sieben Stimmen mehr als die absolute Mehrheit. Eine Zusammenarbeit von ÖVP, rechter FPÖ und dem europakritischen Team Stronach (elf Sitze) wäre rechnerisch zwar möglich, ist aber wegen großer innerparteilicher Turbulenzen des Teams Stronach praktisch ausgeschlossen. Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) setzt auf zügige Koalitionsverhandlungen und hofft, dass die neue Regierung vor Weihnachten steht.