Österreich:Formen der Umverteilung

Lesezeit: 2 min

Anders als im Rest Österreichs gilt in Wien weiter Maskenpflicht in den Öffis. (Foto: Georg Hochmuth/dpa)

Die Kanzlerpartei ÖVP ist wieder im Gerede - es dreht sich erneut ums Geld. Dieses Mal geht es um Corona-Hilfszahlungen in Höhe von fast zwei Millionen Euro.

Von Cathrin Kahlweit

Christi Himmelfahrt war wieder mal ein wunderbarer Wien-Tag: die Jause im Stadt-Heurigen, Radfahren quer durch das Grätzel, knutschende Paare im Stadtpark, dazu ein lauer Wind. Kann man lassen. Die Stadt war leer gefegt, weil sich die Wiener, wie stets vor langen Wochenenden, wie panisch in ihre Autos geworfen und über volle Ausfallstraßen gequält haben. Während sich die Touristen an den immer selben zehn Orten tummeln, flieht das bürgerliche Wien im Sommer in die Provinz, zu den Familiensitzen oder an seine Herkunftsorte. Zurück bleiben der multiethnische Teil der Bevölkerung, junge Leute und ein paar versprengte Auslandskorrespondentinnen. Kann man auch lassen. Wien fühlt sich an solchen Tagen an, als gehöre die Stadt denen, die kein Landhaus haben - eine sehr emotionale Form der Umverteilung.

Kostenlos abonnieren
:SZ Österreich-Newsletter

Was ist los in Österreich? Alles zu Österreich in der SZ. Jeden Freitag per Newsletter. Gleich kostenlos anmelden.

Abends dann Akademietheater, "Eurotrash" nach der Vorlage von Christian Kracht mit einer furiosen Barbara Petritsch und einem vielseitigen Johannes Zirner. Auch das Theater war halb leer. Man könnte das auf den Feiertag schieben, aber Berichte über chronisch leere Theater in Wien häufen sich und stimmen bedenklich. Die Auslastung, ist zu hören, sei im Vergleich zur Vor-Pandemie-Zeit auffällig gesunken. Die Burg, das Akademietheater, die Josefstadt, die Kammerspiele - sie alle melden einen Rückgang von etwa 20 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Bühnen selbst nennen als Gründe ständig geänderte Test- und Impfregeln und die mittlerweile eingeübte Sorge davor, in vollen Räumen mit vielen Menschen zu sitzen.

Wien unterscheidet sich bei der Maskenpflicht vom Rest des Landes

Im Akademietheater am Donnerstag wurde durchgesagt, man möge bitte eine Maske tragen, freiwillig natürlich, um die Sicherheit für alle zu erhöhen. Kaum die Hälfte im Zuschauerraum folgte der Aufforderung. Dabei wäre allein die jüngste Auseinandersetzung zwischen Wien und dem Bund Anlass genug gewesen, sich die Frage zu stellen, ob es wehtut, Maske da zu tragen, wo man sich oder andere anstecken könnte. Die Bundesregierung hat die Maskenpflicht aufgehoben, Wien hält sie in öffentlichen Verkehrsmitteln, Kliniken und Apotheken aufrecht. Kann kein Fehler sein.

Als Fehler allerdings könnte sich, wieder einmal, der Umgang der ÖVP mit Geld erweisen, diesmal mit Covid-19-Hilfszahlungen. Es geht um Millionen aus einem 700-Millionen-Topf, der als "Unterstützungsfonds für Non-Profit-Organisationen" des Bundes ausgewiesen und explizit nicht für politische Parteien und ihre Vorfeldorganisationen vorgesehen war. Nun hat aber der offiziell gemeinnützige "Verein" des Seniorenbunds von Oberösterreich fast zwei Millionen Euro an Hilfsgeldern beantragt und bekommen, der Seniorenbund von Tirol immerhin etwa 180 000. Beide sind organisatorisch und personell quasi deckungsgleich mit den namensgleichen Vorfeldorganisationen der ÖVP.

SZ PlusVorarlberg
:"Unzählige Geschichten über Druck und Nötigung"

In Österreich gibt es eine neue Inseratenaffäre. Wieder einmal bei der ÖVP. Wie groß ist das Korruptionsproblem der Kanzlerpartei?

Von Cathrin Kahlweit

Die Partei beharrt darauf, dass es sich um getrennte Organisationen handele; man sei sich keiner Schuld bewusst. Die Opposition spricht von einer "Sauerei". So eindeutig, wie die ÖVP sagt, kann die Sache nicht gelaufen sein: Das zuständige Ministerium von Vizekanzler Werner Kogler prüft allfällige Rückzahlungen.

Diese Kolumne erscheint auch im Österreich-Newsletter , der die Berichterstattung der SZ zu Österreich bündelt. Gleich kostenlos anmelden .

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

MeinungÖsterreich
:Ein bisschen cringe

ÖVP-Generalsekretärin Laura Sachslehner macht es unserer Kolumnistin nicht leicht, mal nicht an Innenpolitik zu denken. Wofür die 27-Jährige sogar bei Parteifreunden "Fremdscham" auslöst.

Von Cathrin Kahlweit

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: