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Österreich: Mindestens 38 Geflüchtete aus Kühllastwagen befreit

38 Flüchtlinge in Kühlanhänger in Österreich entdeckt

Der Lastwagen, aus dem die Menschen befreit worden sind.

(Foto: Landespolizeidirektion Niederösterreich/apa/dpa)

Die Menschen berichteten von Todesangst und Sauerstoffmangel, auch Kinder waren an Bord. Der Fahrer des Lastwagens wurde festgenommen.

In Österreich sind mindestens 38 Menschen aus einem Kühllastwagen gerettet worden, nachdem sie durch laute Rufe auf sich aufmerksam gemacht hatten. Wie die Polizei am Mittwoch berichtete, waren die von Schleppern nach Österreich gebrachten Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und der Türkei in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Der Kühllastwagen habe keine Möglichkeit zur Belüftung gehabt. Insgesamt sollen sich 43 Personen in dem Lastenwagen befunden haben, da der Wagen jedoch offen war, als die Polizei eintraf, entfernten sich wohl fünf Personen unbemerkt von der Stelle. Die Polizei nahm sie unter Bezug auf das österreichische Fremdenpolizeigesetz vorläufig fest.

Die Betroffenen berichteten nach Polizeiangaben von Todesangst und Sauerstoffmangel während der Fahrt. Zahlreiche Menschen seien demnach zeitweise ohnmächtig gewesen, eine Person sei kollabiert. Es sei ihnen gelungen, so laut auf sich aufmerksam zu machen, dass der Transporter kurz angehalten habe. Das Ganze geschah in Niederösterreich. Sechs minderjährige Kinder sollen unter den Geflüchteten gewesen sein.

"Im Nahbereich des Lkws hielt sich ein 51-jähriger türkischer Staatsbürger auf. Der in Rumänien lebende Mann wurde als Lenker des Lkws identifiziert und infolge vorläufig festgenommen", schreibt die Polizei in ihrer Mitteilung. Bei der Durchsuchung des Fahrzeugs nahmen die Beamten im hinteren Bereich des Kühlanhängers eine Falltür beziehungsweise eine in den Fahrzeugboden geschnittene Luke wahr. Im vorderen Bereich des Kühlanhängers befanden sich Papierkartonrollen, die so aufeinandergestapelt waren, dass beim Öffnen der hinteren Ladebordwand der Blick in das Innere des Anhängers versperrt war. Außerdem, so heißt es von der Polizei, waren die Frachtpapiere gefälscht und der Fahrtenschreiber manipuliert. Während versucht wurde, einen Bewusstlosen durch die Luke zu bergen, sei der Lkw weitergefahren. Dabei soll eine Person beinahe überrollt worden sein. Für die Schleppung wurden Beträge zwischen 6.000 und 8.000 Euro bezahlt.

Die Geflüchteten sind ihren Zeugenaussagen zufolge auf verschiedenen Routen von der Türkei ausgehend nach Rumänien gekommen sind. Dort seien sie in einem ruinenähnlichen Haus für längere Zeit untergebracht gewesen, in dem sich insgesamt etwa 150 Personen aufgehalten haben. Dann wurden sie zu einem Waldstück nahe der ungarischen Grenze verbracht, wo sie zur Weiterfahrt mit dem Lkw, über die Falltür in den Anhänger eingestiegen sind.

Der Vorfall erinnert an eine ganz ähnliche Situation mit 71 Toten im Jahr 2015 ganz in der Nähe. Nach Angaben der Polizei stand der Lastwagen nahe Bruck an der Leitha. Durch Anzeigen mehrerer Bürger war die Polizei bereits vor einer Woche auf den Lastwagen am Rande der Autobahn aufmerksam geworden. Die Zeugen hatten Menschen beobachtet, die von der Ladefläche des Transportes sprangen.

© SZ/dpa/jael/bix
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