Die Demokratie hat sich am Heldenplatz festgesetzt wie noch nie: Hinter einem Bauzaun wird letzte Hand angelegt an zwei mehrstöckige Container, die Büros des österreichischen Parlaments beherbergen sollen.
Das ehrwürdige Gebäude am Ring ist so baufällig, dass es grundsaniert wird. Die Abgeordneten werden auf den Rasen vor dem Heldenplatz und in die Wiener Hofburg umziehen müssen.
Auch deshalb kocht eine Frage hoch, die von den Lesern der Kronen Zeitung gleich mal zu 95 Prozent mit einem lauten "Nein!" beantwortet wird: Soll der Heldenplatz, der 1878 nach den Kriegshelden Erzherzog Karl und Prinz Eugen benannt ist, in "Platz der Republik" oder "Platz der Demokratie" umbenannt werden?
Der für Kultur zuständige Bundesminister im Bundeskanzleramt, Thomas Drozda (SPÖ), hat das angeregt; ein neuer Name erscheine ihm adäquater als die "historisch einigermaßen belastete Variante".
Kurze Nachhilfe für Nicht-Österreicher: Von einem Balkon der Hofburg über dem Heldenplatz hatte Adolf Hitler einst vor jubelnden Massen den "Anschluss" verkündet. "Heldenplatz" heißt auch ein spektakuläres Drama von Thomas Bernhard, der diesen Auftritt literarisch verarbeitete - und damit halb Österreich 1988 vor Wut auf die Barrikaden trieb.
Der Vizekanzler versucht es mit einem Sowohl-als-auch
Heute wird am berühmten Platz vor der Hofburg vor allem herumgebastelt: ein neues "Haus der Geschichte" ist im Bau, ebenso eine Tiefgarage, das Weltmuseum wird verkleinert, am hinteren Ende befindet sich eine matschige "Hundezone", linksseitig flattern die Flaggen der OSZE, der Organisation für Entwicklung und Zusammenarbeit in Europa.
Durch den Fahrweg in der Mitte marschieren Kolonnen japanischer Touristen. Oliver Rathkolb, Historiker und maßgeblicher Kopf hinter dem "Haus der Geschichte", nennt den Platz eine Kuriositätensammlung. Er will sich deshalb gar nicht mit der Namensfrage aufhalten. Die müsse am Ende stehen, sagt er. Und wünscht sich erst einmal das Gesamtkonzept, an dem schon mehrere Regierungen scheiterten, und das der Minister demnächst vorlegen will. Das Areal solle endlich zu einem "Platz der Zivilgesellschaft" werden.
Aber das Gestern, und nicht etwa das Morgen, prägt die Debatte. Bernhards Drama über die NS-Begeisterung seiner Landsleute führte einst zu einem Kulturkampf, wütende Kritiker forderten einen "Sturm auf den Heldenplatz", und die Krone druckte eine Fotomontage von einem brennenden Burgtheater. So heiß geht es heute nicht mehr her.
Aber Hasspostings gegen die sozialistische Camarilla, die Österreich seine Geschichte nehmen wolle, fluten auch jetzt das Netz. Historiker Rathkolb ist fassungslos: "Worte wie Republik oder Demokratie darf man bei uns offenbar nicht in den Mund nehmen."
Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) versucht, die Wogen mit einem Sowohl-als-auch zu glätten: Der Heldenplatz habe "gute und schlechte Zeiten" erlebt, er sehe aber keinen Grund zur Umbenennung. Weil das Österreich von 2017, das unlängst einen grünen Präsidenten gewählt hat, aber bunter geworden ist, als die ersten Reflexe vermuten lassen, werden von kreativen Mitstreitern auch sehr schöne, alternative Vorschläge erwogen.
Für die Ski-Nation: "Marcel-Hirscher-Platz". Und für die Zukunft: "Heldinnenplatz."


