Österreich:Ehemalige Kanzlerin Brigitte Bierlein ist tot

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Brigitte Bierlein im Oktober 2019. (Foto: Therry Roge/imago images)

Die Verfassungsrichterin übernahm 2019 die Regierungsgeschäfte Österreichs, als die erste Regierung Sebastian Kurz' über die Ibiza-Affäre stürzte. Sie wurde 74 Jahre alt.

Österreichs Ex-Kanzlerin Brigitte Bierlein ist im Alter von 74 Jahren nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Das bestätigte am Montag das Kanzleramt in Wien. "Sie hat in einer schwierigen Zeit Verantwortung übernommen, aus Liebe zur Republik und ihrer Heimat Österreich. Unser Land ist ihr zu großem Dank verpflichtet!", schrieb Kanzler Karl Nehammer (ÖVP) auf der Plattform X. Die Verfassungsrichterin war vom Juni 2019 bis zum Januar 2020 die erste Frau an der Spitze einer österreichischen Regierung. Sie stand einem Kabinett aus Beamten vor, das in der Öffentlichkeit oft als Expertenregierung bezeichnet wurde.

"Brigitte Bierlein hatte ihre beruflichen Stationen nie angestrebt, aber den Dienst am Land immer selbstbestimmt, mutig und optimistisch angenommen und vorangestellt", so Nehammer. Sie habe das Regierungsamt ohne jegliche Eitelkeit und mit großem Pflichtgefühl ausgefüllt. Auch der österreichische Bundespräsident Alexander Van der Bellen zeigte sich über den Tod Bierleins tief betroffen. Er sagte: "Ich habe Brigitte Bierlein als mutige, disziplinierte Frau kennengelernt, die Verantwortung übernommen hat, als ihr Land sie gebraucht hat. Sie wird für viele Mädchen und Frauen, für uns alle, auch in Zukunft als Vorbild wirken."

Wenige Tage nach dem Fall der ersten Regierung von Ex-Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Zuge der Ibiza-Affäre hatte die Verfassungsrichterin im Juni 2019 das Kanzleramt übernommen. Sie war die erste und bisher einzige Frau an der Spitze einer österreichischen Regierung. Die von ihr geleitete Beamtenregierung hatte die Geschäfte etwa sieben Monate lang geführt, bevor Januar 2020 Sebastian Kurz' zweite Amtszeit als Bundeskanzler begann.

Die Juristin Bierlein war von 2003 bis 2018 zunächst Vizepräsidentin des österreichischen Verfassungsgerichtshofes (VfGH) und von Februar 2018 bis zu ihrer Ernennung zur Bundeskanzlerin dessen Präsidentin. "Der Verfassungsgerichtshof verliert eine unparteiliche ehemalige Präsidentin und einen hochgeschätzten Menschen, Österreich eine entschlossene Verfechterin des Rechtsstaats", sagte ihr Nachfolger im Amt des VfGH-Präsidenten, Christoph Grabenwarter.

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