Österreich:Impfen mit Gewinnchance

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Österreich: Die Impfpflicht soll von Februar an gelten - mit nur wenigen Ausnahmen.

Die Impfpflicht soll von Februar an gelten - mit nur wenigen Ausnahmen.

(Foto: Jan Woitas/dpa)

Als erstes EU-Land führt Österreich eine Impfpflicht für alle ab 18 Jahren ein. Kombiniert mit einer Impflotterie. Wie viel gibt es zu gewinnen?

Ausgerechnet an dem Tag, als erstmals seit Beginn der Pandemie keine offiziellen Corona Zahlen veröffentlicht wurden, hat Österreich als erstes Land in der EU die allgemeine Impfpflicht für Erwachsene ab 18 Jahren beschlossen. Einem entsprechenden Gesetzentwurf hat das Parlament am Donnerstag mit breiter Mehrheit zugestimmt. 137 Abgeordnete stimmten dafür, 33 dagegen. Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) sprach von einem "vorausschauenden Schritt" für die Bekämpfung der Pandemie. Es sei eine "Entscheidung zu einer Rückkehr zu dem Zusammenleben, wie wir es vor der Pandemie kannten".

Nur eine der drei Oppositionsparteien stimmte dagegen

Auch die Chefin der oppositionellen Sozialdemokraten stellte sich hinter den Plan. "Die Impfung rettet Leben, das eigene und das Leben anderer", sagte die SPÖ-Vorsitzende und Epidemiologin Pamela Rendi-Wagner. Zwar habe die Regierung in den vergangenen zwei Jahren vieles versäumt, aber nun seien die Impflücken eben nur noch mit der Impfpflicht zu schließen. Die liberalen Neos forderten einen Fahrplan für die Aufhebung der Freiheitsbeschränkungen. Die rechte FPÖ ist als einzige Parlamentspartei gegen den Schritt. "Die Einführung dieses Zwangs ist ein gigantischer Anschlag auf die Freiheit der Menschen in Österreich, ein Attentat auf die Menschenwürde der Bevölkerung", sagte FPÖ-Chef Herbert Kickl.

Die Impfpflicht soll von Februar an gelten. Ausgenommen sind Schwangere und Menschen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können sowie Genesene für sechs Monate. Kontrollen soll es von Mitte März an geben. Impfverweigerern drohen dann Strafen zwischen 600 und bis zu 3600 Euro. Die neue Regelung in Österreich ist die bisher weitreichendste in der EU. Italien und Griechenland haben eine für ältere Menschen geltende Impfpflicht.

Belohnung für Gemeinden mit hohen Impfquoten

Zusätzlich zur Corona-Impfpflicht in Österreich sollen finanzielle Anreize die Menschen zur Immunisierung bewegen. Die türkis-grüne Bundesregierungsspitze kündigte gemeinsam mit SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner eine Impflotterie an. Außerdem sollen Gemeinden, die hohe Impfquoten erreichen, mit Förderungen belohnt werden. Insgesamt soll etwa eine Milliarde Euro für diese Maßnahmen zur Verfügung stehen.

Österreich: Regierungsspitze mit Unterstützung der Opposition: Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner.

Regierungsspitze mit Unterstützung der Opposition: Vizekanzler Werner Kogler (Grüne), Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) und SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner.

(Foto: Martin Juen /imago images/SEPA.Media)

Bei der Lotterie sind pro Teilimpfung 500 Euro zu gewinnen, die als Gutscheine in Gastronomie oder im Handel eingelöst werden können. Teilnehmen können nicht nur Spätentschlossene, sondern auch jene, die schon geschützt sind. Etwa jeder zehnte Stich soll so belohnt werden. Für Gemeinden mit einer Impfquote von 80 Prozent werden insgesamt 75 Millionen Euro ausgeschüttet, bei 85 Prozent 150 Millionen und bei 90 Prozent 300 Millionen Euro.

"Ich bin wirklich froh, neben dem Thema Pflicht auch das Thema Anreiz heute im Parlament beschließen zu können", sagte Kanzler Karl Nehammer (ÖVP). Für beide Maßnahmen zeichnete sich vor Sitzungsbeginn an diesem Donnerstag eine breite Mehrheit ab. Nur die oppositionelle rechte FPÖ lehnt die verpflichtende Impfung ab. Der Schritt würde die bisher weitreichendste Regelung in der EU bedeuten. Italien und Griechenland haben eine für ältere Menschen geltende Impfpflicht. In Österreich soll die Verpflichtung für alle erwachsenen Bürger gelten. Ausgenommen sind Schwangere sowie alle, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen können.

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