MeinungÖsterreichEin ORF-Sommergespräch zeigt erneut Kickls radikale Positionen

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Kolumne von Verena Mayer

Lesezeit: 2 Min.

FPÖ-Chef Herbert Kickl, hier bei einer Pressekonferenz im Februar, blieb sich auch im ORF-Sommergespräch treu. Er sprach über die Lieblingsthemen von Populisten, etwa über die Folgen der sogenannten Flüchtlingskrise und die seiner Meinung nach „woke Regenbogen-Agenda“.
FPÖ-Chef Herbert Kickl, hier bei einer Pressekonferenz im Februar, blieb sich auch im ORF-Sommergespräch treu. Er sprach über die Lieblingsthemen von Populisten, etwa über die Folgen der sogenannten Flüchtlingskrise und die seiner Meinung nach „woke Regenbogen-Agenda“.
Foto: Helmut Fohringer/dpa

Es war ein bisschen still geworden um den Fast-Volkskanzler Herbert Kickl. Das ORF-Sommergespräch mit dem FPÖ-Chef zeigt nun einmal mehr, wie radikal seine Positionen sind – und wie extrem seine Sprache ist.

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Da war er also wieder. Seit FPÖ-Chef Herbert Kickl im Februar den Auftrag zur Regierungsbildung zurückgegeben hatte, war es still um ihn geworden. Zwar hat Kickl auf seinen Social-Media-Kanälen über seine Klettertouren in den Dolomiten informiert oder sich im Wiener Wahlkampf seinen Fans gezeigt. Aber ansonsten bekam man nicht viel von ihm mit. Fast hätte man vergessen, dass um ein Haar jemand österreichischer Regierungschef geworden wäre, der sich selbst als „Volkskanzler“ sieht. Vor allem die konservative ÖVP, die im Januar und Februar mit Kickl über eine Koalition verhandelte, tut alles, um diese Wochen als fernen Albtraum erscheinen zu lassen.

Am Montag aber ließ sich Kickl zu bester Sendezeit vom österreichischen Rundfunk (ORF) interviewen, als letzter Gast der Sommergespräche, vor ihm waren der Bundes- und der Vizekanzler, die Außenministerin sowie die Grünen-Chefin dran gewesen. Anders als in Deutschland ist ein extrem rechter Politiker in einem österreichischen Sommerinterview nicht nur sicher davor, von Demonstranten niedergeschrien zu werden, er bekommt auch freundliche Fragen gestellt („Wie schauen Ihre Lösungen für die Inflation aus?“) und wird kaum unterbrochen.

Kickl tat, was er immer tut: Er nutzte die Fragen als Sprungbrett für seine Agenda. In diesem Fall waren das der Frust über hohe Preise und niedrige Renten, das viele Geld, das angeblich für Entwicklungszusammenarbeit verschleudert wird statt für die eigene Bevölkerung, und natürlich „die woke Regenbogen-Agenda“, die Lieblingsthemen von Populisten eben. Aus dem populistischen Playbook war auch Kickls Art, bei konkreten Punkten auf das vage große Ganze auszuweichen. So antwortete er auf die Frage, ob das Krankenhaussystem hauptsächlich vom Bund oder von den Ländern getragen werden solle, dass man dazu doch das Volk befragen solle.

Vor allem aber wurde bei dem Sommerinterview einmal mehr deutlich, wie radikal Kickls Positionen sind und wie unverhohlen er sie auch außerhalb seiner Plattformen äußert. Die Flüchtlingskrise 2015 nannte er einen „Grenzsturm“, der eine „Wunde in den österreichischen Volkskörper“ geschlagen habe, die „bis heute klafft“, eine Ausdrucksweise, wie man sie von Rechtsextremen kennt. Und er machte klar, dass er seine Meinung über den österreichischen Staat und seine Herangehensweise an eine mögliche Regierungsbeteiligung im vergangenen halben Jahr nicht geändert habe. Das heißt: Es ist ihm nach wie vor daran gelegen, das System grundlegend umzubauen und die demokratischen Institutionen infrage zu stellen. Die österreichischen Parteien täten gut daran, sich auf den Ernstfall vorzubereiten. Derzeit liegt die FPÖ in den Umfragen bei 35 Prozent.

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Von Verena Mayer

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