Serie „Original aus Wien“, Folge 3Der Nuschel-Moser

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Hans Moser wurde 1880 in Wien als Johann Julier geboren. Später nahm er den Nachnamen des Hofschauspielers Josef Moser an, der ihm Sprechunterricht erteilt hatte.
Hans Moser wurde 1880 in Wien als Johann Julier geboren. Später nahm er den Nachnamen des Hofschauspielers Josef Moser an, der ihm Sprechunterricht erteilt hatte. Collage: Alexander Bauer, Fotos: Imago

Hans Moser spielte in mehr als 150 Filmen meistens den kauzig-wehleidigen „kleinen Mann“. Er war mit einer jüdischen Frau verheiratet, und das stellte ihn in der Zeit des Nationalsozialismus vor eine Entscheidung.

Von Gerhard Fischer

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Es läuft ein aufgeregter, nuschelnder, hyperaktiver kleiner Mann durchs schwarz-weiße Bild. Wer ist das? Das kann nur einer sein: Hans Moser. Auf Youtube findet man aber auch Farbfilme mit Moser, etwa „Der verkaufte Großvater“ von 1962, da war er schon gut 80 Jahre alt. Moser singt darin, neben Vivi Bach sitzend und eher unaufgeregt: „Wann der Herrgott net will, nutzt des gar nix.“ Zwei Jahre später hat ihn der Herrgott abberufen, Moser starb mit 83 an Lungenkrebs. Er hatte in mehr als 150 Filmen mitgespielt – als kleiner Mann auch im übertragenden Sinn.

Hans Moser wurde am 6. August 1880 als Johann Julier in Wien geboren und wuchs in Margareten, dem 5. Bezirk, am Rande des Wienflusses auf. Sein Vater Franz Julier, ein französischstämmiger Ungar, war Bildhauer, Mutter Serafina betrieb am Naschmarkt ein Milchgeschäft. Der Sohn wollte Schauspieler werden und nahm bereits als Jugendlicher Sprechunterricht beim Hofschauspieler Josef Moser. Dessen Nachname wurde später Hans Mosers Künstlername. Weil die Eltern dagegen waren, dass der Junge Schauspieler wurde, machte er zunächst eine Lehre als Buchhalter.

Mosers Voraussetzungen für Film oder Bühne waren ohnehin nicht die besten: Er war nur 1,57 Meter groß, und er hatte einen Sprachfehler. Moser versuchte sich daher zunächst auf Wanderbühnen und in Kellertheatern. Im Ersten Weltkrieg diente er an der Front, heiterte seine Kameraden mit Späßen auf – und er beschloss, es im sogenannten komischen Fach zu probieren. Nach dem Krieg trat er auf Wiener Kabarettbühnen auf.

1923 engagierte ihn Robert Stolz für eine Revue im Ronacher Theater, wo Max Reinhardt auf ihn aufmerksam geworden sein soll. Reinhardt holte Moser ans Theater in der Josefstadt, wo dieser in Klassikern von Schnitzler oder Nestroy jene Rollen fand, die ihn berühmt machen sollten: die des kauzig-wehleidigen Typen.

„Seine unverwechselbare Stimme, die noch heute gerne nachgeahmt wird, und seine eigenwilligen und lebhaften Bewegungen ließen ihn zum idealen Schauspieler für die Darstellung des kleinen Mannes werden, der im Hausmeister, Handwerker, Hausknecht oder Krämer seine Verkörperung fand“, schreibt Isabella Ackerl in ihrem Buch „Die bedeutendsten Österreicher des 19. und 20. Jahrhunderts“. Später ging Moser zum Film und spielte in Komödien wie „Hallo Dienstmann“ häufig mit Paul Hörbiger, mit dem er auch befreundet war. Außerdem war der Schauspieler, der längst den Kosenamen „Nuschel-Moser“ trug, ein beliebter Interpret von Wienerliedern, etwa der „Reblaus“.

In der Zeit des Nationalsozialismus weigerte sich Moser, einer Scheidung von seiner jüdischen Frau Blanca zuzustimmen. 1939 musste diese nach Ungarn emigrieren. Moser spielte weiter in deutschen Filmen mit. Die Nazis ließen ihn, denn der populäre Moser trug, in deren Sinne, in Kriegszeiten zur Unterhaltung und Ablenkung des Publikums bei.

Hans Moser soll sehr sparsam, manche sagen: geizig gewesen sein. In ihrer Villa in Wien-Hietzing bewohnten die Mosers angeblich nur das Erdgeschoss, um Heizkosten zu sparen. Heute ist in dieser Villa übrigens die Botschaft Aserbaidschans untergebracht.

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