MeinungÖsterreich:Warum Ärzte in Vorarlberg einen Museumsbesuch verschreiben können

Kolumne von Gerhard Fischer

Lesezeit: 2 Min.

Museumsbesuche (hier eine Munch-Ausstellung in der Albertina in Wien) steigern laut einer Studie das Wohlbefinden.
Museumsbesuche (hier eine Munch-Ausstellung in der Albertina in Wien) steigern laut einer Studie das Wohlbefinden. (Foto: Foto: Hans Klaus Techt, dpa)

In Vorarlberg können Ärzte ihre Patienten mit einem Rezept kostenlos in Ausstellungen schicken. Das hilft angeblich gegen Stress, Einsamkeit oder Depressionen.

Hunde sind meist harmlos und treu, selbst beim Höllenhund von Baskerville (Sherlock Holmes jagt ihn in Roman und Film) wurde das glühende, teuflische Aussehen durch eine Phosphor-Präparation erzeugt. Deshalb ist der Hund oft der beste Freund des Menschen. Und manchmal sogar mehr: Es gibt Studien, die zeigen, dass Hundebesitzer nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall länger leben als Menschen, die keine Hunde haben. In Großbritannien gibt es das Programm „Hounds help hearts“, also Hunde helfen Herzen. Die Anwesenheit von Doktor Hund senkt den Blutdruck, zum Beispiel. Außerdem gibt es extra ausgebildete Hunde, die Anzeichen von Herzproblemen bei Menschen erkennen können; sie riechen das. Auch in Österreich und Deutschland gibt es mittlerweile diese Kardiowarnhunde. Krankenkassen zahlen manchmal Beihilfen.

Dass Hunde helfen, das leuchtet sofort ein. Aber Museen? „Museums for health“?

Das „vorarlberg museum“ in Bregenz und die dortige Ärztekammer haben gerade ein Pilotprojekt mit dem Namen „Museum auf Rezept“ gestartet: Ärztinnen und Ärzte können kostenlose Museumsbesuche sozusagen verschreiben. „Wissenschaftlichen Studien zufolge kann der Besuch einer kulturellen Einrichtung das Wohlbefinden steigern, den Stress reduzieren und das Immunsystem stärken“, schreibt das Museum in einer Pressemitteilung. Er helfe gegen Einsamkeit und Depressionen.

Das „vorarlberg museum“ stellt erst einmal 1000 Freikarten zur Verfügung. Ärztinnen können diese an ihre Patienten ausgeben. Die Idee stammt aus England (wie bei den Hunden!) und wird, so das Vorarlberger Museum, mittlerweile auch in Frankreich, Belgien, der Schweiz und Kanada praktiziert.

Apropos Kanada. Kürzlich wurde bekannt, dass ein Habsburger-Schatz in Kanada aufgetaucht ist. Unter den Schmuckstücken befindet sich ein gelber Florentiner, ein 137,2 Karat schwerer, birnenförmiger Diamant. Zur Vorgeschichte: Als das Kaiserreich 1918 unterging, schaffte Karl I. den Schatz in die Schweiz. Kaiserin Zita, Gattin von Karl, nahm ihn – nach dem Tod ihres Mannes – mit nach Kanada, wo sie ihn bei einer Bank in der Provinz Québec verwahrte. Sie starb 1989, hatte aber offenbar verfügt, dass der Aufenthaltsort der Juwelen frühestens 100 Jahre nach Karls Tod, also 2022, publik gemacht werden dürfe. Ein Enkel, Karl Habsburg, erledigte dies nun mit etwas Verspätung via New York Times (sie sprach als Erste mit ihm), Spiegel und Kronen Zeitung (beide folgten sogleich im deutschsprachigen Raum).

Aber wem gehört nun der Schatz? Den Habsburgern? Der Republik Österreich? Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) kündigte eine „unverzügliche“ Prüfung an. Karl Habsburg gab der ZiB 2 diese Woche ein denkwürdiges Interview, in dem er – verkürzt gesagt – nicht eindeutig verneinte, sich für den Kaiser von Österreich zu halten. Im weniger kuriosen Interviewabschnitt sagte er, er sei sicher, die Juwelen seien Privatbesitz seiner Familie beziehungsweise einer Stiftung in Kanada. Dort soll der Schatz, und so kommen wir zurück zu den Museen, demnächst ausgestellt werden. Hoffentlich nicht mit den Risiken und Nebenwirkungen, die gerade beim Louvre-Raub zu beobachten waren.

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