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Österreich:Und wieder ein Liederbuch-Skandal

Wien 23.10.2019, Hofburg, Wien, AUT, Parlament, Nationalratssitzung, Konstituierende Sitzung des Nationalrates mit Wahl

Wolfgang Zanger bei der konstituierenden Sitzung des Nationalrats vergangene Woche in Wien

(Foto: Eibner Europa/imago images)
  • Erneut befindet sich ein Politiker der rechtsradikalen Freiheitlichen Partei Österreichs in einem Liederbuch-Skandal.
  • FPÖ-Politiker Wolfgang Zanger steht mit einem Männerbund in Verbindung, in dem ein Liederbuch mit rechtsradikalen und antisemitischen Texten kursierte.
  • Auch Zanger selbst besitzt ein Exemplar. Vom Inhalt distanzieren will er sich nicht.

Ende August hat Wolfgang Zanger einen schönen Tag verbracht. Auf Facebook postete der FPÖ-Politiker ein Foto, auf dem man ihn in Lederhosen vor einer Holzwand sitzen sieht mit einer jungen Frau, die sich mit den Armen und dem Kopf an seine Schultern schmiegt. "Es war mir wirklich eine große und wahrliche Freude", schreibt Zanger an die "liebe Philippa Strache", die mit ihm auf dem Bild zu sehen ist. "Wahre Politik ist es, einfach beim Menschen zu sein!"

Zwei Monate später sitzen die beiden als Abgeordnete im neu gewählten Bundesparlament, aber die Lage ist aus ihrer Sicht ziemlich, wie man in Österreich sagt, ungustiös: Philippa Strache ist aus der FPÖ ausgeschlossen worden, ihr Mann, der langjährige Chef der radikal rechten österreichischen Partei, ist als Mitglied suspendiert wegen einer Spesenaffäre. Und der aus der Steiermark stammende Wolfgang Zanger befindet sich inmitten eines veritablen Skandals, der für seinen Landesverband zur Unzeit kommt - denn Ende November steht die Landtagswahl an.

Aber alles der Reihe nach.

Das Liederbuch und seine Lieder

Es geht bei dem Skandal - schon wieder - um ein Buch mit Liedgut aus dem deutschnationalen Milieu der Männerbünde. Ein Band, in dem allerlei Strophen enthalten sind, aus denen Nazi-Verherrlichung und Antisemitismus quillt und Österreich als Land geschmäht wird. Wie die Kronenzeitung zuerst berichtete, heißt es in dem Liederbuch unter anderem "Heil Hitler, ihr alten Germanen", man besingt Männer der Nazi-Mordeinheiten SS und SA.

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Auch der Staat Österreich und die Österreicher werden in einem Lied schlechtgemacht: In Anlehnung an die Bundeshymne wird Österreich als "Land der Kriecher" und "Land der Schieber", als "Schmiergeldreich" bezeichnet. Die Republik wird als ein dysfunktionaler Staat dargestellt, "Skandale dann vertuschen", heißt es, "das geht nur in Österreich".

An anderer Stelle steht, "Rothschild" sei das "größte Schwein". Der Name der Familie Rothschild ist in rechtsextremen Kreisen seit Jahrzehnten Synonym für antisemitische Vorurteile, wonach Juden angeblich pauschal raffigierig und hinterhältig sind. Gerade das Hitler-Regime hat mit dem Namen Rothschild immer wieder der Hass auf Juden befeuert, noch heute ist es ein Teil des variantenreichen Märchens von einer jüdischen Weltverschwörung.

Der Kronenzeitung zufolge trägt das nun publik gewordenen Liedbuch den Titel: "Liederliche Lieder zum 125. Stiftungsfest des Corps Austria zu Knittelfeld" anno 2005. Was zurück zu Wolfgang Zanger führt. Der FPÖ-Abgeordnete erklärt nämlich, dass es sich bei dem Buch um ein Geschenk der Grazer Burschenschaft Cheruskia an das Knittelfelder Corps handelt, auf deren Facebookseite man mit "Heil Jul" gegrüßt wird.

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In einem Männerbund in Österreich kursiert ein Liederbuch mit rechtsradikalen Texten.

Wolfgang Zanger und sein doppeltes Problem

Den FPÖ-Politiker bringt die Causa in die Bredouille. Er ist auf der Homepage des Knittelfelder Männervereins als "Ansprechpartner" angegeben. Zanger hat der Krone erklärt, er sei seit zwei Jahren nicht mehr "Altherrenobmann" - die Webseite sei "leider Gottes nicht mehr aktuell". Das kann durchaus zutreffen, denn auch die einzigen beiden Termine im Kalender zeigen den Stand vom Frühjahr 2018. Allerdings hatte er offenkundig Kenntnis vom Inhalt des Liederbuchs, denn er selbst besitzt ein Exemplar der "Liederlichen Lieder".

Auf Fragen der Süddeutschen Zeitung vom Mittwochabend hat Zanger bislang nicht reagiert. Allerdings hat er sich andernorts inzwischen geäußert. Vom rechtsextremen Inhalt des Liederbuchs will er sich nicht distanzieren, denn "distanzieren kann ich mich nur von etwas, das ich selbst geschrieben, gesagt oder getan habe", sagte er der Krone. "Warum soll ich mich von etwas distanzieren, das andere geschrieben haben?"