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Österreich:Bisher keine Antwort wegen einer "Mailflut"

Hofer ließ sich von hier & jetzt zu energiepolitischen Themen befragen, seine Antworten lesen sich geschmeidig und erwartbar: Der stellvertretende FPÖ-Chef attackiert unter anderem die Grünen und wünscht sich, dass Österreich seinen Strom nicht importiert, sondern selbst produziert.

Eine Aussage Hofers lässt allerdings aufhorchen. Es ist die Antwort auf die Frage nach der Bedeutung des österreichischen Verhaltensforschers Konrad Lorenz für die energie- und umweltpolitische Programmatik der FPÖ.

Lorenz ist vor allem bekannt für seine Arbeit mit Graugänsen. Für seine unbestritten großen Leistungen als einer der "Väter" der Verhaltensbiologie wurde ihm im Jahre 1973 der Nobelpreis für Medizin zugesprochen. Vor seinem Tod 1989 engagierte er sich gegen den Bau des österreichischen Atomkraftwerkes Zwentendorf und wurde so auch in ökologischen Kreisen populär.

FPÖ-Mann Hofer bezog sich in seiner Antwort in hier & jetzt allerdings weder auf Graugänse noch auf die Energie- oder Umweltpolitik. Der FPÖ-Vize sagte: "Konrad Lorenz muss für jeden Politiker Vorbild und auch Anstoß für gesellschaftspolitische Überlegungen geben."

Hier & Jetzt

Auzug aus der 17. Ausgabe von "hier & jetzt"

(Foto: Abbild der "Hier und jetzt - radikal rechte Zeitschrift", Ausgabe 17/2011. Bearbeitung SZ.de)

Gerade die gesellschaftspolitischen Überlegungen von Konrad Lorenz waren allerdings alles andere als vorbildlich. Lorenz war seit 1938 Mitglied der NSDAP und vertrat vor 1945 nachdrücklich die nationalsozialistische Ideologie. Schon vor dem "Anschluss" seiner Heimat Österreich durch Hitler-Deutschland ging er davon aus, menschliche Charakterzüge seien eine Sache der Vererbung. Als Mitarbeiter des Rassepolitischen Amtes der NSDAP propagierte er in Schriften theoretisch die Vernichtungspolitik des NS-Staates und forderte sogar die "Ausmerzung ethisch Minderwertiger".

Der Kandidat schweigt bislang

Nach dem Krieg distanzierte Lorenz sich nicht ausdrücklich von seinen früheren Aussagen, wollte vielmehr nicht mehr darüber sprechen. Auch blieb er dabei, dass manche Menschen "Parasiten" der Gesellschaft seien.

Ein zweiter Wissenschaftler, den Hofer als "wesentlichen Vordenker" bezeichnete, ist der Österreicher Hans Hass. Der Biologe wünschte sich angesichts der Überbevölkerung, dass jeder Frau das Recht bescheinigt würde, zwei Kinder zu gebären - aber nicht mehr.

Hofer selbst hat drei Kinder aus erster Ehe und ein weiteres mit seiner zweiten Frau.

Diese Männer also sind für Norbert Hofer Vorbilder und Vordenker. Was meint der FPÖler damit, wenn er sagt, Lorenz müsse "Anstoß für gesellschaftspolitische Überlegungen geben"? Auf welche Aspekte von Lorenz' Ansichten bezieht sich der Präsidentschaftskandidat?

Die hier aufgeworfenen Fragen hat die SZ Hofer zukommen lassen; beantwortet wurden sie bislang nicht. Erst am Donnerstagmittag bestätigte sein Parlamentsbüro, dass die Fragen dem Pressesprecher seit dem Vortag vorliegen, und bat um Geduld wegen einer "Mailflut". Auf die Nachfrage, wann mit einer Anwort zu rechnen sei, reagierte Hofers Büro nicht mehr.

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© SZ.de/mcs/rus
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