Österreich:Flüchtlinge sterben im Lastwagen

Lesezeit: 2 min

Die Behörden finden auf der Autobahn nahe Wien einen Lkw voller Leichen. Die Polizei spricht von bis zu 50 Toten.

Von Nadia Pantel, Wien

Im österreichischen Burgenland ist am Donnerstag ein Lastwagen mit toten Flüchtlingen entdeckt worden. Das Fahrzeug wurde am Rande der Ostautobahn gefunden. Der Landespolizeidirektor Hans Peter Doskozil sagte, dass sich in dem Lastwagen 20 bis 50 Tote befunden hätten. An diesem Freitag werde die Polizei voraussichtlich vormittags sagen können, wie viele es sind. Die Menschen sind möglicherweise an Sauerstoffmangel gestorben. Der Kühl-Lkw war Doskozil zufolge am Mittwochabend in einer Pannenbucht zwischen den Ortschaften Neusiedl und Parndorf, etwa 50 Kilometer südöstlich Wiens, abgestellt worden. Er sei nach bisherigen Erkenntnissen am Morgen südöstlich von Ungarns Hauptstadt Budapest gestartet. Am Donnerstagvormittag fiel einem Mitarbeiter der Autobahn-Gesellschaft auf, dass es aus dem Lkw tropfte; laut Polizei war es Verwesungsflüssigkeit. Der 7,5-Tonnen-Lkw trägt den Schriftzug eines slowakischen Geflügelproduzenten, der jede Verbindung mit der Tragödie zurückweist. Das Fahrzeug sei nach mehreren Verkäufen nach Ungarn geraten, die neuen Besitzer hätten den Werbeslogan nicht entfernt.

Der Fund überschattete die Westbalkankonferenz in Wien, auf der auch Kanzlerin Angela Merkel , Außenminister Frank-Walter Steinmeier und die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini mit den Regierungschefs des Westbalkans über die Stärkung der Region, EU-Beitrittsperspektiven und die Flüchtlingskrise berieten. Österreichs Kanzler Werner Faymann sagte, die Nachricht aus dem Burgenland "zeigt einmal mehr, wie notwendig es ist, Menschenleben zu retten, indem das Schlepperwesen bekämpft wird und wir die Verantwortung für Asylsuchende übernehmen". Angela Merkel sagte, Europa sei verpflichtet, Menschen auf der Flucht zu helfen.

Der Tod der bis zu 50 Flüchtlinge im Burgenland warf die Frage nach sicheren Zugangswegen nach Europa auf. Merkel sagte, das Dublin-System funktioniere nicht. Bis Ende des Jahres solle es möglich werden, "Hot Spots" zur Flüchtlingsregistrierung an den EU-Außengrenzen zu errichten. Dort soll die Schutzbedürftigkeit geprüft werden. Die EU-Außenbeauftragte Mogherini sagte, eine verbindliche Quote für die Verteilung von Flüchtlingen auf die EU-Länder sei nicht länger aufschiebbar. Die Agenda der Westbalkankonferenz wurde angesichts der wachsenden Zahl von Flüchtlingen, die auf der Westbalkanroute nach Mittel- und Westeuropa unterwegs sind, geändert. Schwerpunkt sollte eigentlich die Stärkung der regionalen Zusammenarbeit der Länder Südosteuropas sein. Dazu wurde ein 600 Millionen Euro umfassendes Strukturförderungspaket verabschiedet. Zusätzlich wurde den Transitländern Serbien und Mazedonien eine Million Euro zur Versorgung der Flüchtlinge zugesagt. Die Teilnehmer der Konferenz waren sich einig, dass auch Albanien, Montenegro und Kosovo als sichere Herkunftsländer zu deklarieren seien. Am späten Donnerstagabend wurde noch bekannt, dass vor Libyen erneut ein Boot mit 200 Flüchtlingen untergegangen ist. Mindestens 30 Menschen kamen um, es wurde befürchtet, dass die Zahl deutlich steigen könnte.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB