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Ölpest vor der US-Küste:Durchlöcherter Golf

Rund um das Leck der "Deepwater Horizon" sickert aus fünf weiteren Stellen Öl ins Meer. Die Menge sei gering, beruhigt die Regierung - und übersieht, dass allein im Golf von Mexiko 27.000 verlassene Ölquellen liegen, die niemand kontrolliert.

Andrian Kreye

Die Verlautbarung des Ölkonzerns BP sollte die Weltöffentlichkeit beruhigen. Das neue Leck in der Nähe der bis auf weiteres erfolgreich gedeckelten Ölquelle im Macondo-Feld habe nichts mit der ursprünglichen Katastrophe zu tun. Der Sonderbeauftragte der US-Regierung für die Umweltkatastrophe, Küstenwachen-Admiral Thad Allen, präzisierte: Im Umkreis von drei Kilometern rund um die Unglücksstelle seien sogar fünf Lecks entdeckt worden. Alle fünf seien jedoch Aussickerungen aus anderen Quellen. Die Größenordnung müsse man sich vorstellen, wie einen Ölaustritt bei einem alten Auto.

Schiffe versammeln sich um die Unglücksstelle der Deepwater Horizon. Doch die ist nur eine Parzelle einer Matrix aus Tausenden, jede ein potentielles Fördergebiet.

(Foto: ap)

Hinter Thad Allens Anmerkung verbirgt sich allerdings ein Problem, das von der amerikanischen Regierung bisher vernachlässigt, wenn nicht sogar verdrängt wurde. Allein im Golf von Mexiko gibt es etwa 27.000 verlassene Ölquellen, die in den vergangenen 60 Jahren geschlossen, seither aber nicht mehr überprüft wurden. Die amerikanische Nachrichtenagentur Associated Press fand diese Zahl im Zuge einer Untersuchung heraus.

Betrachtet man eine Karte des Golfs, welche die Fachzeitschrift für Meeresbohrungen Offshore auf ihrer Webseite anbietet, dann präsentiert sich der neuntgrößte Meereskörper der Welt als Matrix aus Tausenden rechteckigen, durchnummerierten Parzellen. Jede Parzelle steht für ein potentielles Fördergebiet. Hinzu kommen Pipelines, Öl- und Gasfelder.

Weil das Ölgeschäft bis heute in erster Linie Männersache ist, haben die Ölfelder markige Namen wie Brutus, Devil's Island (Teufelsinsel), Great White (Weißer Hai), Goldfinger oder Spiderman. Auch das Ölfeld, über dem die Bohrinsel Deepwater Horizon am 20. April explodierte hat einen Namen: Macondo. Das könnte man als böses Omen auffassen, denn Macondo ist der Name des verfluchten Dorfes in Gabriel García Márquez' Roman Hundert Jahre Einsamkeit, das erst Schauplatz eines Massakers ist und schließlich vom Verfall zerstört wird.

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