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Kirche:Vom Hocker aufs Sofa

Vor dem 3. Ökumenischen Kirchentag Frankfurt

Der Buchstabe 'i' aus dem Slogan 'schaut hin' für den 3. Ökumenischen Kirchentag steht als Infosäule auf der Frankfurter Flößerbrücke.

(Foto: Arne Dedert/dpa)

Der dritte Ökumenische Kirchentag muss ohne Menschenmengen und Chöre an Straßenecken auskommen: Pandemiebedingt findet er überwiegend am Bildschirm statt. Theologischen Sprengstoff bieten die Feiern trotzdem.

Von Annette Zoch, München

28 Meter lang und acht Meter breit soll der blaue Tisch sein, den die Evangelische und die Katholische Kirche am Donnerstag an der Frankfurter Hauptwache aufbauen wollen. Verschiedene kirchliche Verbände und Initiativen wollen die Installation bis zum Wochenende gestalten, die blaue Farbe soll anspielen auf den Himmel, "wo nach christlichem Verständnis Größenverhältnisse und Hierarchien keine Rolle mehr spielen", so die Kirchen.

Der Tisch wird - neben ein paar Fahnen - das einzige in Frankfurt sichtbare Zeichen des dritten Ökumenischen Kirchentags sein. Wer sich an die vorangegangenen Kirchentage erinnert, 2010 in München und 2003 in Berlin, der weiß, wie bunt es von Himmelfahrt an bis zum Sonntag in Frankfurt hätte aussehen können. Aber die Pandemie hat den Veranstaltern einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Diesmal wird das Stadtbild nicht geprägt sein von fast 200 000 Menschen mit Kirchentagsschal um den Hals, von Posaunenchören und spontanen Gesangseinlagen an Straßenecken.

Mehrfach waren der Evangelische Kirchentag und das Zentralkomitee der Katholiken kurz davor, das größte deutsche Christentreffen gleich ganz abzusagen. So weit wollte man dann doch nicht gehen. Statt auf den üblichen Papphockern des Kirchentags werden Teilnehmer daheim auf Sofas und Schreibtischstühlen Platz nehmen und die Podien am Computerbildschirm verfolgen.

Immerhin der Eröffnungs- und der Schlussgottesdienst werden live zu besuchen sein, außerdem die vier konfessionellen Gottesdienste am Samstagabend: in einer katholischen, einer evangelischen, einer freikirchlichen und einer orthodoxen Gemeinde. Auf diesen vier Feiern liegt die größte Aufmerksamkeit: Mit "ökumenisch sensiblen" Gottesdiensten wollen die Organisatoren einzelnen Gläubigen die gegenseitige Teilnahme an Abendmahl und Eucharistiefeier ermöglichen.

Der Vatikan sieht die Mahlfeiern nicht gern

Dieser Ansatz ist seit vielen Jahren zwischen Katholiken und Protestanten umstritten, es ist ein überwiegend theologisch begründeter Dissens. Mit den Mahlfeiern riskieren vor allem die katholischen Organisatoren, neben dem Zentralkomitee auch das Bistum Limburg mit Bischof Georg Bätzing an der Spitze, einen Konflikt mit dem Vatikan. Um eine wirklich gemeinsame Mahlfeier handelt es sich allerdings nicht.

Bätzing sagte, obwohl der Kirchentag fast ausschließlich im Netz stattfinde, solle von ihm die Botschaft ausgehen, "dass wir als Christinnen und Christen gemeinsam die Welt gestalten und zusammenstehen". Bei etwa 80 Veranstaltungen soll es um die Auswirkungen der Pandemie, den Klimawandel und die Veränderungsprozesse in den Kirchen gehen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird zu Gast sein. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zugesagt, sie will sich mit der Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer unterhalten. Gesundheitsminister Jens Spahn, Außenminister Heiko Maas, Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, stehen ebenfalls auf der Gästeliste für die digitalen Veranstaltungen.

© SZ/skle
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