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Öffentliche Wahrnehmung der EU:Maßgeschneiderte EU-Mitgliedschaft für Dänemark

Tsoukalis verweist auch auf andere Umfragewerte: 65 Prozent der Griechen sind weiterhin dafür, dass ihr Land in der Euro-Zone bleibt und die Gemeinschaftswährung behält. "Die Menschen hier denken ähnlich wie in Spanien oder Portugal: Sie wissen, dass es wirtschaftlich noch schlimmer kommen würde, wenn ihre Staaten wieder nationale Währungen einführen würden."

Die Dänen halten dagegen an ihrer Landeswährung, der Krone, fest. Eine europäische Wirtschaftsgemeinschaft? Ja, gern. Gemeinsame Politik? Lieber nicht. So sehen das viele Dänen bis heute. Politikwissenschaftler Beach sieht dafür vor allem zwei Gründe: Erstens kennen die Dänen, anders als die Deutschen, keinen Föderalismus. Für sie liegt alle Macht in Kopenhagen - oder, so fürchten sie, in Brüssel, wenn Dänemark sie dorthin abgibt. "Zweitens haben die Dänen einen Wohlfahrtsstaat, der gut funktioniert. Alles was von außen darauf einwirkt, ist nicht gewollt", sagt Beach.

Bisher konnten sich die Dänen ihre EU-Mitgliedschaft in vielen Fällen so schneidern, wie sie ihnen passte. Weil sie immer abstimmen dürfen, wenn es um "mehr" Europa geht, wissen die Bürger über die EU gut Bescheid. Sie hätten zudem Vertrauen in ihre politischen Institutionen und auch ins Europäische Parlament, sagt Politikwissenschaftler Beach.

Außerdem, ergänzt Mads Dagnis Jensen vom Europa-Institut der Universität Kopenhagen, lobe Brüssel die dänische Politik in vielen Bereichen als mustergültig - etwa die Balance von Flexibilität und Sicherheit auf dem Arbeitsmarkt. Hier hat Dänemark den Kündigungsschutz im Interesse der Arbeitgeber gelockert und unterstützt zugleich Arbeitssuchende verstärkt mit Geld und Weiterbildung. Brüssel habe das zur Nachahmung empfohlen, so Jensen.

Überlegungen, griechische Lösungen auf die anderen 27 EU-Staaten zu übertragen, gibt es in Athen nicht. Loukas Tsoukalis denkt vielmehr darüber nach, wie Europa nach der Finanzkrise wieder fit gemacht werden kann, denn er ist überzeugt: "Griechenland war ein extremer Fall, aber es steht nicht allein." Die Bertelsmann-Stiftung hat soeben sein Arbeitspapier "Der traurige Zustand der Union" veröffentlicht, in dem der Grieche einen neuen "Großen Konsens" fordert (hier nachzulesen). Er bezweifelt, dass die Krise wirklich überwunden ist und fürchtet, dass sich die Europäer nun in Sicherheit wiegen und einfach so weitermachen wie bisher.

Nationale Themen dominieren Europawahlkampf - in Dänemark und Griechenland

Ähnlich wie in den meisten EU-Staaten wird auch in Griechenland vor der Europawahl nicht über grundsätzliche Reformen debattiert, berichtet Janis Emmanouilidis: "Hier dominieren nationale Themen, zumal an diesem Sonntag bereits Kommunalwahlen stattfinden. Beide Abstimmungen sind ein wichtiger Stimmungstest für die Samaras-Regierung."

In Dänemark können die Bürger am 25. Mai nicht nur über die Europa-Abgeordnete abstimmen - sie entscheiden wieder einmal in einem Referendum über mehr europäische Integration. Die Dänen stimmen darüber ab, ob sie sich einem europäischen Patentgericht unterstellen würden. Und wieder einmal bestehe die Gefahr, fürchtet Politikwissenschaftler Beach, dass mehr Gegner als Befürworter zur Wahl gingen.

Europa-Recherche Was Europas Skeptiker antreibt
Die Recherche
EU in der Vertrauenskrise

Was Europas Skeptiker antreibt

Sie halten die EU für eine ziemlich nutzlose und kostspielige Veranstaltung: In mehreren Ländern könnten die Europaskeptiker bei der kommenden Wahl stärkste Kraft werden. Ist die Ablehnung des europäischen Projekts eine Reaktion auf die Krise oder war das schon immer so? Eine Spurensuche.   Von Kathrin Haimerl

Der laufende Wahlkampf zeigt, wie verbreitet die Europaskepsis in Dänemark weiterhin ist - optimistischen Eurobarometer-Werten zum Trotz. Viele Dänen fürchten, dass sie ihre Sozialleistungen mit Zuwanderern aus Osteuropa teilen müssen. Es wird heftig diskutiert, wie man Leistungen für Zugewanderte kürzen könnte, ohne dabei gegen EU-Recht zu verstoßen.

Für zahlreiche Dänen ist dies ein Beispiel dafür, dass Brüssel nach ihrem Geschmack zu viel Einfluss auf die nationale Politik hat. Den Dänen geht es gut, auch dank Europa. Sie möchten, dass das so bleibt. "Die Dänen mögen die EU, aber sie möchten nicht mehr davon haben. Sie sind einfach satt", sagt Beach.

Die Recherche zur europäischen Idee
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