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Großstädte:Wie sich Belit Onay von seinen Amtskollegen unterscheidet

Fridays for Future - Demonstration in Hannover

Belit Onay (hier auf einer Fridays-for-Future-Demo) ist das erste Stadtoberhaupt einer Landeshauptstadt mit Migrationshintergrund.

(Foto: dpa)

Grün, jung und mit Migrationshintergrund? Hannovers neuer Oberbürgermeister ist in vieler Hinsicht eine Seltenheit in Deutschland. Ein Überblick in Grafiken.

Belit Onay sieht sich als Teil einer "coolen Botschaft". Nach 73 Jahren SPD-Regierung steht in Hannover nun ein Grüner an der Spitze der Stadt. "Ein junger Mensch, auch mit Migrationshintergrund, steht für Diversity, für eine junge, lebendige Stadt", hat Onay im Wahlkampf gesagt. Der Sohn türkeistämmiger Einwanderer ist der erste Oberbürgermeister mit Migrationshintergrund in einer deutschen Landeshauptstadt. Er setzte sich in der Stichwahl am Sonntag gegen einen CDU-Kandidaten durch. Grün, jung und mit Migrationshintergrund? Damit unterscheidet sich Onay nicht nur von seinen Konkurrenten, sondern auch von Oberbürgermeistern deutschlandweit.

In den 50 größten Städten Deutschlands haben nur drei Stadtoberhäupter einen Migrationshintergrund. Neben Onay sind das Ashok-Alexander Sridharan von der CDU, der indische Wurzeln hat und die ehemalige Bundeshauptstadt Bonn regiert, und Claus Ruhe Madsen in Rostock. Der parteilose Kandidat sorgte im Juni für ein Novum, als er sich in der Stichwahl gegen einen Kandidaten der Linken durchsetzte. Der 47 Jahre alte Däne ist damit der erste Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt ohne deutschen Pass.

Auch in der Altersfrage unterscheidet sich Onay vom durchschnittlichen Oberbürgermeister. In den 50 größten Städten hat er nur einen Amtskollegen, der jünger ist als der 1981 geborene Wahlsieger von Hannover. In Freiburg hat im vergangenen Jahr der parteilose Martin Horn, Jahrgang 1984, seinen grünen Vorgänger Dieter Salomon nach 16 Jahren Amtszeit abgelöst.

Salomon war 2002 als erster grüner Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt ins Freiburger Rathaus eingezogen. Er würde heute mit seinen inzwischen 59 Jahren altersmäßig ungefähr dem Durchschnitt der Stadtoberhäupter entsprechen. Die Oberbürgermeister der großen Städte wurden zum großen Teil in den 50er und 60er Jahren geboren.

Auch beim Parteibuch werden Unterschiede deutlich. Weil Salomon abgewählt wurde, gibt es außer in Hannover unter den 50 größten Städten nur noch in Stuttgart einen grünen OB. Dort regiert seit 2012 Fritz Kuhn, der ehemalige Parteivorsitzende und Fraktionschef der Grünen im Bundestag. Auch wenn es nur zwei Ämter sind, haben die Grünen damit dennoch mehr Oberbürgermeister in den größten Städten als CSU und FDP, die in Augsburg und Dresden den OB stellen.

Im Vergleich zur Bundesebene auffällig ist die SPD. Die Partei steckt im Bund schon lange im Tief, stellt aber die deutliche Mehrheit der OB. In Ballungsräumen sind die Sozialdemokraten traditionell stärker als in ländlichen Regionen und so stehen in den 50 größten Städten 31 Sozialdemokraten an der Spitze. Ob die SPD in den Städten auch in Zukunft stark bleiben wird, ist aber fraglich, wenn die Zustimmungswerte weiter zurückgehen und zum Beispiel die Grünen stärker werden.

Auffällig ist zudem, dass in der Liste auch sechs Oberbürgermeister zu finden sind, die keiner Partei angehören. Sie wurden aber oftmals von traditionellen Parteien unterstützt, wie etwa Henriette Reker, die den Wählern in Köln unter anderem von CDU, Grünen und FDP empfohlen wurde.

Reker sticht unter den Oberbürgermeistern hervor. Sie ist eine von nur drei Frauen an der Spitze der größten deutschen Städte. 47 von 50 OB sind Männer - also 94 Prozent. In diesem Punkt unterscheidet sich selbst Belit Onay aus Hannover nicht von der Mehrheit seiner Amtskollegen.

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