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Obamas Afghanistan-Strategie:Deutliche Mehrheit der US-Bürger will Truppen abziehen

Senator John Kerry, als Vorsitzender des Außenausschusses gleichsam der Auftraggeber des Reports, warnt, man habe am Hindukusch "eine Kriegs-Ökonomie geschaffen". Dies sei "sehr gefährlich", sagte Kerry der Washington Post: "Persönlich bin ich dafür, dass wir deshalb auch unsere militärische Strategie in gewissem Maße ändern."

USA Präsident Barack Obama

Muss in Afghanistan einen Krieg führen, den er von seinem Vorgänger übernommen hat: US-Präsident Barack Obama

(Foto: Getty Images)

Damit spielt Kerry auf eine Debatte um Strategie und Truppenstärke an, die vor eineinhalb Jahren die Obama-Regierung innerlich gespalten hatte. Damals setzen sich Verteidigungsminister Robert Gates und Hillary Clinton durch, die für zwei Jahre eine Aufstockung der US-Streitkräfte um 30.000 Soldaten forderten, um so die bis heute gültige Strategie der Aufstandsbekämpfung umzusetzen.

Vize-Präsident Joe Biden hatte dies abgelehnt und stattdessen eine Strategie der Terrorbekämpfung empfohlen, die vor allem auf Einsätze von Spezialtruppen und Attacken von Drohnenflugzeugen setzt und mit insgesamt weniger Bodentruppen auskommt.

Weil angeblich auch Leon Panetta, der bisherige CIA-Chef und designierte Gates-Nachfolger, dieser Sicht anhängt, könnten sich die Gewichte innerhalb von Obamas Sicherheitskabinett bald verschieben.

Noch in diesem Monat muss Obama bekanntgeben, wie viele Truppen er in einem ersten Schritt des ab Juli beginnenden US-Truppenabbaus aus Afghanistan abziehen will. Minister Gates möchte vorerst "nur bescheidene Bewegungen" von 3000 bis 5000. Vize-Präsident Biden sowie enge Präsidentenberater fordern höhere Ziffern.

Der einflussreiche Senator Carl Levin verlangte gar, bis Ende 2011 müssten "mindestens 15.000 Mann" heimkehren. Laut Umfragen sagen drei von vier US-Bürger, Obama solle sofort "eine substantielle Zahl" von US-Soldaten abziehen.