bedeckt München 25°

Obama warnt Iran im Atomstreit:"Ich bluffe nicht"

Aggressive Töne aus Washington: Er werde Iran notfalls mit Gewalt am Bau von Atomwaffen hindern, warnt US-Präsident Barack Obama kurz vor einem Treffen mit Israels Premier Netanjahu. Aber auch für Jerusalem findet Obama mahnende Worte.

US-Präsident Barack Obama hat kurz vor seinem Treffen mit der israelischen Führung betont, dass er Iran notfalls auch mit Gewalt am Atomwaffenbesitz hindern werde. Auch eine "militärische Komponente" sei nicht ausgeschlossen, betonte Obama in einem Interview mit dem Magazin The Atlantic.

U.S. President Barack Obama makes a speech at Master Lock in Milwaukee, Wisconsin

Obama bei einer Rede in Milwaukee, Wisconsin. Der US-Präsident versucht mit allen Kräften, eine Eskalation des Konflikts zwischen Israel und Iran zu verhindern.

(Foto: REUTERS)

Obama empfängt am Montag Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu im Weißen Haus. Der US-Präsident, der sich im November seiner Wiederwahl stellt, versucht mit allen Kräften, eine Eskalation des Konflikts zu verhindern. Es wird erwartet, dass er Netanjahu dazu raten wird, etwaige Pläne für einen israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen in den kommenden Monaten zu vertagen. Netanjahu reist anlässlich der Jahrestagung der proisraelischen Lobby-Organisation AIPAC nach Washington.

Ausdrücklich wies der US-Präsident sowohl das Teheraner Regime als auch Israel darauf hin, dass sie die amerikanische Entschlossenheit ernst nehmen sollten, Iran mit allen nötigen Mitteln am Bau einer Atomwaffe zu hindern. "Ich denke, dass die israelische Regierung erkennt, dass ich, als Präsident der Vereinigten Staaten, nicht bluffe", sagte Obama. "Ich laufe aber (...) auch nicht herum und hänge exakt an die große Glocke, was wir beabsichtigen. Aber ich glaube, dass beide, die iranische und die israelische Regierung, erkennen, dass die USA meinen, was sie sagen, wenn sie erklären, dass es ein iranischer Atomwaffenbesitz unakzeptabel ist."

Obama: Kein Opferstatus für Iran

Entsprechend wies Obama in dem Interview auch darauf hin, dass internationale Sanktionen gegen Iran Wirkung zeigten und ein frühzeitiger Militärschlag Iran ungewollt sogar helfen könnte. Denn dies würde Teheran ermöglichen, sich international als "Opfer" darzustellen, so die Argumentation Obamas: "Wollen wir zu einer Zeit, da es nicht viel Sympathie für den Iran gibt und sein einziger wirklicher Verbündeter (Syrien) in den Seilen hängt, eine Ablenkung der Art, dass sich der Iran plötzlich als Opfer porträtieren kann?"

Dass IsraeI einen Militärschlag gegen Iran nach wie vor nicht ausschließt, machte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman bei einem Treffen mit seinem bulgarischen Kollegen Nikolaj Mladenow in Sofia deutlich: "Wir halten wieder alle Optionen auf dem Tisch", sagte Lieberman. Israel glaube jedoch, dass die internationale Gemeinschaft in der Lage sein werde, die Gefahr aus dem Iran zu stoppen. "Wir warten immer noch", erklärte Lieberman weiter.

In dem Angebot Irans für neue Atomgespräche sieht Israel eine Falle: Teheran könnte so versuchen, sich dem ausgeübten Druck zu entziehen, sagte Israels Premier Netanjahu. Israel habe das Recht, sich gegen Iran zu verteidigen, erklärte Netanjahu weiter. So habe Teheran nicht nur zur Zerstörung Israels aufgerufen, sondern arbeite auch an diesem Vorhaben.

Für Israels Premier Netanjahu ist es bereits das sechste Mal seit seinem Amtsantritt 2009, dass er das Weiße Haus besucht. Obama selbst hat bislang - anders als die meisten seiner Vorgänger - keinen Gegenbesuch abgestattet.

© dpa/AFP/hai/feko

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite