Rahm Emanuel:Obama-Vertrauter darf nicht Bürgermeister werden

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Gerichtsentscheidung: Rahm Emanuel darf nicht zur Bürgermeisterwahl in Chicago antreten. Dabei hatte der Demokrat dafür extra seinen Job als Stabschef des US-Präsidenten aufgegeben.

Das ist bitter für Rahm Emanuel, den früheren Stabschef Barack Obamas. Einen Monat vor dem Wahltag in Chicago hat ein Berufungsgericht entschieden, dass der enge Vertraute des US-Präsidenten nicht für den Bürgermeisterposten der Stadt kandidieren darf.

Rahm Emanuel

Ein Jahr hatte Rahm Emanuel nicht in Chicago gewohnt, sondern - auf Wunsch des US-Präsidenten - in Washington. Das könnte für ihn das Ende der Kandidatur zum Bürgermeister der Stadt bedeuten.

(Foto: AP)

Dabei war er Umfragen zufolge der Favorit im Rennen um die Nachfolge des populären Richard Daley, der nach sechs Amtszeiten nicht mehr kandidiert.

Emanuel hatte seinen Posten im Weißen Haus am 1. Oktober 2010 eigens aufgegeben, um sich um das Bürgermeisteramt in Chicago zu bewerben - seiner Heimatstadt, die er vor seiner Arbeit für Obama im Abgeordnetenhaus vertreten hatte. Mehr als zehn Millionen Dollar (7,4 Millionen Euro) an Spenden hat er für seinen Wahlkampf bereits eingeworben.

Offenbar vergeblich - ein Berufungsgericht im US-Staat Illinois hat entschieden, dass er nicht kandidieren darf. Der Grund: Nach Ansicht des Gerichts hat Emanuel nicht ein Jahr lang vor der Wahl am 22. Februar seinen Wohnsitz in der Stadt gehabt. Damit verstoße Emanuel gegen eine der Anforderungen des Wahlrechts in Chicago, sagten zwei der drei Richter.

Der demokratische Politiker hatte vor knapp zwei Jahren sein Haus in Chicago vermietet - aber nicht verkauft - und war mit seiner Familie in die Bundeshauptstadt gezogen, um den Posten im Weißen Haus zu übernehmen. In Washington hatte er sich mit seiner temperamentvollen Amtsführung einen Namen gemacht. Er habe aber immer nach Chicago zurückkehren wollen und nur auf Wunsch Obamas in Washington gelebt, hatte er bereits vor der Entscheidung des Berufungsgerichts erklärt.

Da die Wahlzettel für den Urnengang am 22. Februar demnächst gedruckt werden, wird Emanuels Name wohl nicht darauf erscheinen. Der Politiker hat angekündigt, dass er die Entscheidung des Berufungsgerichts beim Obersten Gerichtshof in Illinois anfechten wird.

"Letzte Woche noch war er der Zwölf-Millionen-Dollar-Mann, unschlagbar und unabwendbar", sagte Cindi Canary von der Illinois Campaign for Political Reform der New York Times. "Und jetzt schlägt der Blitz ein." Möglicherweise sei das noch nicht das letzte Wort, doch es verschaffe den anderen Kandidaten Luft.

Insbesondere Gery Chico, der zuvor bereits für Bürgermeister Daley gearbeitet hatte, und die Afro-Amerikanerin Carol Moseley Braun könnten von einem Ausscheiden Emanuels profitieren, hieß es in der Zeitung. Zu Chico würden vermutlich die Wähler hispanischer Abstammung überlaufen, Braun könnte auf zusätzliche afro-amerikanische Stimmen hoffen.

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