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Obama und Raúl Castro:Handschlag für die Historie

Amerika und Kuba sind seit Jahrzehnten verfeindet, doch bei der Trauerfeier für Nelson Mandela in Südafrika schütteln sich Barack Obama und Raúl Castro die Hände. Mandela pflegte ein gutes Verhältnis zu beiden Staaten - und so wagt Obama ein Zeichen der Versöhnung.

Mit langen Schritten und seinem leicht tänzelnden Gang erklimmt Barack Obama die Ehrentribüne des Fußballstadions in Soweto. 90 Staats- und Regierungschefs haben sich versammelt, um Abschied von Nelson Mandela zu nehmen ( mehr im Newsblog) und der US-Präsident macht sich an die Arbeit.

Schon mit der ersten Hand, die Obama schüttelt, schreibt er Geschichte: Es ist die Rechte von Raúl Castro, jenem Mann, der an der Spitze des kubanischen Staates steht. "Castro, er reicht Castro die Hand", ruft Moderatorin Christiane Amanpour aufgeregt in der Livesendung auf CNN. Die Aufregung ist angebracht, denn die Beziehungen zwischen den USA und der benachbarten Insel sind seit Beginn der 1960er Jahre äußerst angespannt. So hält Washington seit mehr als 50 Jahren eine Wirtschaftsblockade aufrecht.

Obama wolle dies als Zeichen seines guten Willens verstanden wissen, sich Feinden der USA anzunähern, sagte ein US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur AFP. Ähnlich die Interpretation auf CNN: Die Trauerfeier für Mandela, den Obama später als "Gigant der Geschichte" bezeichnete, sei ein Moment der Versöhnung. Deswegen habe sich Obama wohl entschlossen, nicht einfach an dem 82-jährigen Castro vorbeizugehen, der zu Beginn der Ehrentribüne neben Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff stand.

Bilder von der Trauerfeier

Gemeinsames Gedenken an Madiba

Es wäre extrem unfreundlich gewesen und hätte wohl für ähnlich viel Aufsehen gesorgt wie der kurze Handschlag. Andere Spitzenpolitiker begrüßte Obama deutlich länger und freundlicher: Für Rousseff gab es Küsschen, Umarmungen erhielt nicht nur UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. In seiner Rede kritisierte der US-Präsident jedoch kurz darauf, es gebe in der Welt weiterhin "zu viele Staatsmänner, die sich mit dem Freiheitskampf von Nelson Mandela solidarisch zeigen, aber in ihren eigenen Ländern keine Opposition dulden".

Die engen Beziehungen zwischen Mandela und Kuba gehen vor allem auf den blutigen Bürgerkrieg in Angola zurück, in dem Kuba in den Jahren 1975 bis 1991 mit dortigen Kämpfern gegen die südafrikanische Armee des Apartheidregimes kämpfte und siegte. Der Einsatz machte nach Ansicht Kubas und Mandelas den Frieden in Angola, die Unabhängigkeit Namibias und die politischen Reformen zum Ende der Rassentrennung in Südafrika erst möglich. Mandela und Castros Bruder, der langjährige Staatschef Fidel Castro, standen sich seither nahe. Auch zu Libyens umstrittenen Ex-Diktator Muammar Gaddafi, der seinen Kampf für Freiheit unterstützt hatte, verhielt sich Mandela stets solidarisch: "Wir werden unsere Freunde nie aufgeben."

Neben Raúl Castro waren unter den dutzenden Staats- und Regierungschefs aus aller Welt mehrere autoritäre Herrscher bei der Zeremonie im Stadion. Castro sagte in seiner Rede während der Trauerfeier, Mandela sei dem "revolutionären Kampf für Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung" verpflichtet gewesen.

Das Washingtoner Online-Magazin Politico wertet den Handschlag ebenfalls als Geste der Höflichkeit und verweist zugleich darauf, dass sich Obama erst im November zur strikten amerikanischen Kubapolitik geäußert hatte. Bei einer Spendengala in Florida, wo viele Exilkubaner leben, sagte er damals: "Wir müssen kreativ sein und darüber nachdenken, wie wir unsere Politik der aktuellen Lage anpassen."

Rückblick

Kämpfer für die Freiheit

Obama, der damals zwei führende Dissidenten traf, erklärte weiter, dass er überzeugt sei, dass die Freiheit irgendwann nach Kuba kommen werde. Dies liege unter anderem an dem großen Mut, den viele Aktivisten täglich beweisen würden.

Zu Beginn von Obamas Amtszeit hatten Beobachter mit einer Annäherung an Kuba gerechnet. Substantiell hat sich allerdings bislang nichts geändert.

Linktipp: Die Washington Post erklärt, wie oft Nelson Mandela mit seiner Außenpolitik die USA irritierte.