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Obama: Rede in Kairo:"Amerika befindet sich nicht im Krieg gegen den Islam"

Zugleich räumte er ein, dass der Westen den Muslimen viel Unrecht getan habe. Im Kolonialismus seien Rechte verweigert worden. Später im Kalten Krieg seien die Muslime dann als Instrumente der Stellvertreterkriege zwischen den Weltmächten missbraucht worden.

"Amerika befindet sich nicht im Krieg gegen den Islam und wird dies auch niemals sein", betonte Obama. Der Westen und die muslimische Welt müssten vielmehr gemeinsam gegen gewaltbereite Extremisten vorgehen.

Gleichberechtigung der Frauen

Nach den Punkten Nahost, Irak, Afghanistan sprach Barack Obama die Rechte der Frauen an - bewusst als "Punkt Nummer sechs", eingehängt zwischen all die außenpolitischen Brennpunkte.

Damit gönnte der US-Präsident dem Kampf für weltweite Gleichberechtigung eine Bedeutung, die dieser nur selten bekommt. Das Publikum in der Universität belohnte ihn mit langem Applaus, auch als er betonte, nicht das Tragen von Kopftüchern sei das Problem, sondern der Zugang für Frauen zu Bildung, Ausbildung und Arbeitsplätzen. "Unsere Töchter können ebenso viel leisten wie unsere Söhne", sagte Obama.

Mit seiner Rede richtete sich Obama demonstrativ an die mehr als eine Milliarde Muslime auf der Welt. Indem er Kairo dafür wählte, unterstrich der Präsident zugleich die Bedeutung, die er dem Nahen Osten und seinen Problemen zumisst. Obama will ein Bündnis muslimischer Regierungen schmieden, um mit ihrer Hilfe dem Nahost-Friedensprozess einen neuen Anschub zu geben und Iran mit seinem Atomprogramm in Schach zu halten. Er selbst räumte allerdings vor seinem Auftritt in Kairo ein, dass es mehr als eine Rede brauchen werde, um die USA und die muslimische Welt auszusöhnen.

Das Verhältnis zu den islamischen Staaten hatte sich unter Obamas Vorgänger George W. Bush rapide verschlechtert. Bush ist vielen Muslimen verhasst wegen der Kriege im Irak und in Afghanistan, die er nach den Anschlägen vom 11. September 2001 startete und in denen viele Muslime starben.