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Obama in Afrika:Zu spät

Obama besucht Afrika. Nur: Die Chinesen waren längst da. Und sie sind erstaunlich beliebt - auch weil sie bequemerweise auf moralische Belehrungen verzichten. Der US-Präsident kommt in vielerlei Hinsicht als Nachzügler.

Spät kommt er, und der Empfang ist verhalten. Barack Obama, der erste schwarze US-Präsident der Geschichte, hat sich vier Jahre lang nicht auf dem Boden seiner Vorfahren sehen lassen. Die anfängliche Euphorie vieler Afrikaner, dass da einer von ihnen auf den mächtigsten Posten der Welt gewählt wurde, ist längst Enttäuschung und trotziger Gleichgültigkeit gewichen.

Auch wirtschaftlich hat die US-Regierung unter Obama in Afrika verloren: Andere Länder, allen voran China, haben sich im Wettlauf um die Ressourcen ihre Filetstücke gesichert. Es hat Symbolkraft, dass auf Obamas Reise ein Treffen mit seinem erklärten Vorbild Nelson Mandela unmöglich war, weil Mandela mit dem Tod ringt.

Der US-Präsident kommt in vielerlei Hinsicht als Nachzügler. Die Chinesen dagegen sind erstaunlich beliebt - auch weil sie bequemerweise auf moralische Belehrungen verzichten. Das kommt bei Despoten gut an, aber auch bei Bürgern, die den rein ökonomisch motivierten Vorstoß der Chinesen als Begegnung auf Augenhöhe empfinden.

Obama sagt viel Richtiges, wenn er warnt, Afrikas jüngste Fortschritte stünden angesichts von Korruption und Despotie "auf einer fragilen Basis". Doch mit seiner langen Abwesenheit hat der US-Präsident nicht nur an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Ihm fehlt auch die Verhandlungsmasse, mit der er nun auf Taten dringen könnte.