Obama-Herausforderer unter Druck "13 Prozent wovon? Das hat Romney nicht gesagt"

Steuerrechtler wie Ed Kleinbard gehen davon aus, dass der von Romney genannte Wert von 13 Prozent geschönt ist. Sie verweisen auf eine Unschärfe in seinem Statement: "13 Prozent wovon? Das hat Romney nicht gesagt", sagte der Professor der University of Southern California der Washington Post. Womöglich habe der Republikaner der Rechnung nur sein zu versteuerndes Einkommen zugrunde gelegt. Das sei ein "absurder Wert", kritisiert Kleinbard, weil Romney auf diese Weise beachtliche Teile seines Gesamtverdienstes ausgeklammert habe.

Patzer im US-Wahlkampf

Romney schmäht Obama-Wähler als "Opfer"

Mitt Romneys Vermögen wird auf 250 Millionen Dollar geschätzt. Anfang Januar veröffentlichte er seine Steuererklärung von 2010, wonach er in jenem Jahr mehr als 20 Millionen Dollar verdient hatte. Trotzdem zahlte er nur knapp 14 Prozent Steuern.

Anders als die meisten Amerikaner lebt Romney nicht von seinem Einkommen, sondern von Kapitalerträgen. Also etwa den Zinsen, die sein Vermögen einbringt. Und den Gewinnen, die seine Investments abwerfen. Kapitalerträge werden in Amerika niedrig besteuert (Hintergründe in diesem SZ-Artikel).

Anders sieht die Lage der Amerikaner aus, die von ihrem Einkommen leben: Die New York Times rechnet vor, dass schon ein US-Haushalt mit einem Einkommen von 100.000 Dollar etwa zehn Prozent Einkommensteuer abführen müsse. Für viele US-Bürger kämen dann noch andere Steuern hinzu, sodass der tatsächliche Steuersatz durchschnittlich bei etwa 20 Prozent und mehr liege.

"Und deutliche Erhöhungen für alle anderen"

Die Obama-Kampagne gibt sich Mühe, Romneys Finanzgebaren als anrüchig darzustellen. Dabei bewegt sich der Gegenkandidat auf rechtlich sicherem Boden. Der Republikaner lebt von einem System, das Spitzenverdiener begünstigt. Das vom einstigen US-Präsidenten Bill Clinton - einem Demokraten - eingeführt wurde. Das George W. Bush ausweitete und das Obama nicht entscheidend bremsen konnte.

Sollte Romney Präsident werden, will er die Reichen noch stärker entlasten. Er hat angekündigt, den Spitzensteuersatz auf Einkommen sowie die Unternehmensteuer zu senken und die Kapitalertragsteuer auf niedrigem Niveau beizubehalten. Das überparteiliche Tax Policy Center kam in einer Analyse zu dem Schluss, Romneys Vorschlag würde deutliche Steuersenkungen für die höchsten Einkommen bedeuten - "und deutliche Steuererhöhungen für allen anderen".