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Obama bleibt US-Präsident:Obama wird Deutschland in die außenpolitische Pflicht nehmen

Die Wahl eines schwarzen, vermeintlich linken Präsidenten sah man als Buße und Erlösung der amerikanischen Nation nach den finsteren Bush-Jahren. Da war es egal, dass Barack Obama im deutschen Parteiensystem wahrscheinlich im konservativen Flügel der FDP landen würde. Kaum jemand scherte sich darum, dass in den USA ein erbitterter Klassenkampf den Rassismus als zentralen gesellschaftlichen Konflikt abgelöst hat, und dass Obama mit seinen Beratern aus dem Umfeld der Investmentbanken und seiner Nähe zur Wall Street dabei keineswegs eine bürgernahe Rolle spielte.

Impressionen zur US-Wahl

So sehen Sieger und Besiegte aus

Man muss sich die Meme im deutschen Internet ansehen, um den philorassistischen Kern zu erkennen - Obama in Rapperpose oder beim Gangstergruß mit dem Hausmeister. Das alles sind Welten und Gesten, die mit dem Magna-cum-laude-Absolventen aus Harvard und letztlich auch mit der Realität des schwarzen und postethnischen Mittelstandes, aus dem er stammt, so viel zu tun haben, wie Rammstein mit Angela Merkel. Das Schlüsselzitat seiner Siegesrede war von Frank Sinatra, nicht von Jay Z.

Natürlich verkörpert Obama auch etwas von jenem Cool, das in seinen Anfängen eine subversive Haltung des Modern Jazz war. Für die Afroamerikaner war seine Wahl ein historischer Moment, mit dem der von Martin Luther King begonnene Kampf seinen Marsch durch die Institutionen abgeschlossen hatte. Der Clou ist aber gerade, dass in der immer farbenblinderen amerikanischen Gesellschaft Obamas Hautfarbe gar keine Rolle spielte.

Wollte man das Argument auf die Spitze treiben, könnte man noch erwähnen, dass für Europa das Leben mit Präsidenten aus der Reihe der Republikaner meist viel einfacher war. Es war die Doktrin des Republikaners Eisenhower, die über Europa den Schutzschirm der USA aufspannte, unter dem sich Deutschland ganz auf sein Wirtschaftswunder konzentrieren konnte. Es waren Reagan und Bush senior, die mit dem Gleichgewicht des Schreckens dafür sorgten, dass der Kalte Krieg nicht heiß lief. Und selbst George W. Bush und seine Neocons führten ihre Kriege auch für die deutsche Wirtschaft, auch wenn wir das nicht wahrhaben wollen.

Obama aber wird Deutschland in die teure außenpolitische Pflicht nehmen, er wird die Konkurrenz mit der EU in Asien und Afrika verschärfen und er wird die Wall Street weiter gegen den Euro wetten lassen.

Nun gut, die deutsche Liebe zu Obama ist eine emotionale, keine pragmatische Angelegenheit. Doch genau das ist ein amerikanischer Import, ohne den man hier gut leben könnte. Denn wenn Moral und Emotion so wie im US-Wahlkampf das Argument ersetzen, ist die Spaltung der Gesellschaft meist der nächste Schritt.