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Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart:CDU-Mann Nopper gewinnt ersten Wahlgang

Wahl Oberbürgermeister in Stuttgart

Frank Nopper nach Schließung der Stuttgarter Wahllokale

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Die Grünen verlieren bei der OB-Wahl in Stuttgart deutlich - nun hat die CDU gute Chancen, den Nachfolger von Fritz Kuhn zu stellen. Mitentscheidend dürfte sein, wer zum zweiten Wahlgang antritt.

Von Claudia Henzler, Stuttgart

Zwei Fragen waren bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart besonders spannend: Werden die Grünen das Rathaus behalten, in das Fritz Kuhn vor acht Jahren unter großem Jubel eingezogen war? Und wie gut wird der Kandidat mit der aggressivsten Kampagne abschneiden?

Nach dem ersten Durchgang an diesem Sonntag ist noch nichts entschieden - nun kommt es darauf an, ob es einem Kandidaten gelingt, im zweiten Wahlgang alle Stimmen aus dem ökosozialen Spektrum zu bündeln. In Baden-Württemberg ist keine Stichwahl vorgeschrieben, theoretisch können alle Bewerber noch einmal antreten. Dann reicht die relative Mehrheit für den Sieg.

Momentan kann sich Frank Nopper, der Kandidat der CDU, große Hoffnungen machen, am 29. November als Sieger dazustehen. Knapp 32 Prozent der Wähler haben ihm am Sonntag ihre Stimmen gegeben - ein unerwartet hoher Wert angesichts von 14 Bewerbern und von Umfragen, die keine klaren Präferenzen erkennen ließen.

Nopper, 59, ist Jurist, in Stuttgart aufgewachsen, und arbeitet seit achtzehn Jahren als Oberbürgermeister von Backnang, einer 38 000-Einwohnerstadt im Stuttgarter Umland.

Veronika Kienzle, die Bewerberin der Grünen, kam nur auf gut 17 Prozent und blieb damit weit hinter den Erwartungen zurück. Denn eigentlich sind die Grünen in Stuttgart sehr stark: Bei der Kommunalwahl 2019 bekamen sie 26,3 Prozent und wurden damit stärkste Fraktion im Gemeinderat.

Woran lag's? Dass es Fritz Kuhn vor acht Jahren gelungen war, den Bewerber von der CDU auszustechen, hatte auch mit seiner Prominenz zu tun. Diesmal hat es kein ähnlich bekanntes Parteimitglied ins Rathaus gedrängt: Weder Cem Özdemir, der in Stuttgart sein Wahlkreisbüro hat, noch Muhterem Aras, die Landtagspräsidentin und frühere Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat, wollten kandidieren.

Kienzle, 58, ist Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte und hat mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung als Kommunalpolitikerin und im öffentlichen Dienst. Vielen Bürgern war sie dennoch unbekannt - selbst kurz vor der Wahl, als ihr Gesicht schon in der ganzen Stadt plakatiert war.

Als Vorzeichen für die Landtagswahl im Frühjahr 2021 taugen die Ergebnisse vom Sonntag übrigens nicht. Denn es ging den Stuttgartern, auch das hat eine Umfrage gezeigt, allein um die Frage, welchem Bewerber sie das Amt zutrauen. Und hier hat Nopper, der auf seine Erfahrung als Oberbürgermeister verweisen konnte, offensichtlich besonders viele Wähler von sich überzeugt.

Nopper profitierte auch davon, dass er zwar ein gebürtiger Stuttgarter ist, dort aber in den vergangenen Jahren keine Verantwortung trug. Als Kandidat von außen konnte er in das Narrativ einstimmen, das diesen Wahlkampf geprägt hat: Dass in Stuttgart irgendwie nichts vorwärts gehe.

Besonders vehement vertreten wurde diese These von Marian Schreier, einem 30-jährigen Einzelbewerber, der gerne für die SPD kandidiert hätte, aber nicht durfte, weil die Stuttgarter SPD ihren eigenen Mann ins Rennen schicken wollte.

Schreier behauptete, die Wohnungspolitik sei in den vergangenen Jahren schlicht verschlafen worden, und er plakatierte forsch, dass er den "Stillstand", den er in der Stadt festgestellt haben will, beenden werde. Nichts weniger als einen "Neustart" versprach er für Stuttgart.

Große Mehrheit der Bürger zufrieden mit der Lebensqualität

Kaum jemand hat ihm öffentlich widersprochen, niemand hat darauf hingewiesen, dass sich Stadt und Gemeinderat schon seit Jahren mit dem Wohnungsbau beschäftigen und mehrere neue Wohngebiete im Bau oder in Planung sind. Niemand hat Schreier eine Liste mit all den Veränderungen der vergangenen Jahren präsentiert - oder eine mit den Projekten, die bald fertig gestellt sein werden. Die Mehrheit der Bürger hat sich von den Übertreibungen nicht einwickeln lassen. Schreier schaffte es am Sonntag aber mit immerhin 15 Prozent auf Platz drei.

Man darf nicht vergessen: Stuttgart geht es ausgezeichnet, mal abgesehen davon, dass die Megabaustelle für das Projekt "Stuttgart 21" nervt. Mehr als zwei Drittel der Bürger beurteilen die Lebensqualität und die Wirtschaftslage ihrer Stadt als gut oder sehr gut.

In den letzten Wochen des Wahlkampfs hat sich jedoch herauskristallisiert, dass sich viele Bürger einen Rathauschef wünschen, der sich selbst, seine Ideen und die Stadt mit größerer Lautstärke verkauft als Amtsinhaber Fritz Kuhn. Hiermit kann Frank Nopper dienen. Er hat gezeigt, dass er keine Probleme damit hat, auf Bürger zuzugehen und sich medial in Szene zu setzen.

© SZ/mane
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