Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse:Nazi-Führung vor Gericht

Göring, Speer, Dönitz und anderen Nazi-Größen wurde zwischen November 1945 und Oktober 1946 der Prozess gemacht. Die Hauptangeklagten und die Urteile im Überblick.

Von Oliver Das Gupta

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Nürnberger Prozesse

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Am 20. November 1945 begann in Nürnberg der Prozess gegen die verbliebenen Köpfe des untergegangenen Nazi-Reiches. Diktator Adolf Hitler und andere NS-Größen hatten sich vor der endgültigen Niederlage umgebracht, andere waren auf der Flucht getötet worden.

Im Bild: Die Hauptangeklagten, in der Mitte der ehemalige Reichsmarschall Hermann Göring.

Alfred Jodl

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Auch die Spitze der letzten Reichsregierung saß in Nürnberg auf der Anklagebank: Der letzte Reichspräsident und Großadmiral Karl Dönitz (dunkler Mantel), Rüstungsminister Albert Speer (heller Mantel) sowie Generaloberst Alfred Jodl bei ihrer Festnahme am 23. Mai 1945 in Flensburg.

Reporters Dash

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Das Verfahren gegen die Hauptkriegsverbrecher galt damals als "größter Prozess aller Zeiten". Der Internationale Militärgerichtshof klagte 24 Mitglieder der nationalsozialistischen Führung und sechs nationalsozialistische Organisationen an.

Im Bild: Reporter beeilen sich, nach der Urteilsverkündung die Nachrichten an ihre Redaktionen zu übermitteln.

Nuremberg Trials

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Um ihre Anklagepunkte zu untermauern, trugen die Ermittler zahlreiches Beweismaterial zusammen und ließen Zeugen davon berichten, wie die NS-Elite Krieg und Tod über die Welt gebracht hatte. Auch mit Personen, die mit dem Regime verbandelt waren, arbeiteten die alliierten Juristen zusammen.

Im Bild: Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann nimmt im Beisein alliierter Militärermittler Fotos in Augenschein.

Nuremberg Screening

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Die 21 anwesenden NS-Politiker, Militärs und NSDAP-Funktionäre auf der Anklagebank wurden mit Beweismitteln wie Dokumenten konfrontiert - und etwa mittels Filmen direkt mit den von Hitler-Deutschland begangenen Verbrechen wie etwa den Massenmorden in den Konzentrationslagern.

Im Bild: Die Angeklagten während einer Filmvorführung, die NS-Verbrechen belegte.

Lawrence Addresses The Court

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Das Hauptverfahren war der einzige der Nürnberger Prozesse, an dem alle vier Hauptsiegermächte USA, Großbritannien, Frankreiche und die Sowjetunion vertreten waren. Wegen des aufkommenden Ost-West-Konfliktes fanden die Folgeprozesse unter der Ägide der Vereinigten Staaten von Amerika statt.

Im Bild: Lord Justice Geoffrey Lawrence, der Vorsitzende des Tribunals, und seine Kollegen.

Nuremberg Prison

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Drei Personen, die auf der Anklagebank sitzen sollten, fehlten bei den Verhandlungen oder den Urteilen: Robert Ley, Chef der Deutschen Arbeitsfront, brachte sich vor dem Prozess um. Das Verfahren gegen den Großindustriellen Gustav Krupp von Bohlen und Halbach wurde aus gesundheitlichen Gründen eingestellt. Und Martin Bormann, Hitlers Sekretär, der in Abwesenheit zum Tode verurteilt wurde. Wie später bekannt wurde, war er bereits während der Schlacht um Berlin getötet worden.

Im Bild: Das Nürnberger Gefängnis, in dem die angeklagten NS-Größen inhaftiert waren.

Nürnberger Prozesse Hans Frank

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Die Angeklagten und die Urteile:

Hans Frank, Reichsminister, Generalgouverneur von Polen, verantwortlich für den Tod unzähliger Menschen - darunter viele Juden.

Todesstrafe.

Im Bild: Hans Frank verliest stehend eine Erklärung auf der Anklagebank.

Nürnberger Prozeß

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Albert Speer, Hitlers Lieblingsarchitekt, als Rüstungsminister verantwortlich für das Leiden und den Tod Abertausender Arbeitssklaven.

20 Jahre Haft.

Nürnberger Prozesse Julius Streicher und Konstantin von Neurath

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Julius Streicher, Gauleiter von Franken, Herausgeber der antisemitischen Hetzpostille Der Stürmer.

Todesstrafe.

Konstantin von Neurath, Reichsaußenminister bis 1938, später Reichsprotektor von Böhmen und Mähren.

15 Jahre Haft, Begnadigung 1954.

Im Bild: Streicher (li) und Neurath

Nürnberger Prozesse  Wilhelm Keitel

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Wilhelm Keitel, Generalfeldmarschall, Chef des Oberkommandos der Wehrmacht.

Todesstrafe.

Im Bild: Keitel (rechts sitzend) bei einer Aussage vor Gericht.

WWII: Post War: Nuremberg Trials

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Hjalmar Schacht, Reichsbankpräsident, Reichswirtschaftsminister, 1939 in Ungnade gefallen.

Freispruch.

Franz von Papen, Nationalkonservativer, ermöglichte Hitler 1933 die Machtergreifung, fungierte als sein Vizekanzler, später Botschafter in Wien und Ankara.

In diesem Verfahren freigesprochen.

Im Bild: Schacht (li.) und Papen

Ribbentrop

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Joachim von Ribbentrop, Reichsaußenminister, half bei Hitlers "Machtergreifung", Kriegsplanung und Judenvernichtung.

Todesstrafe.

Taking The Oath

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Hermann Göring, Reichsmarschall, Nummer zwei im NS-Staat, Luftwaffenchef, Inhaber zahlreicher Ämter und Posten.

Todesstrafe. Göring vergiftete sich in der Nacht vor der Hinrichtung.

Nürnberger Prozesse Alfred Rosenberg

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Alfred Rosenberg, Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, NS-Chefideologe.

Todesstrafe.

Nuremberg War Trials

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Ernst Kaltenbrunner, SS-General, Leiter des Reichssicherheitshauptamtes.

Todesstrafe.

Fritz Sauckel, Gauleiter von Thüringen, in den letzten Kriegsjahren Generalbevollmächtigter für Zwangsarbeit.

Todesstrafe.

Im Bild: Die Angeklagten (unten, v.li.) Göring, Heß, Ribbentrop, Keitel, Kaltenbrunner und Rosenberg. Dahinter: Dönitz, Raeder, Schirach und Sauckel.

Rudolf Hess

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Rudolf Heß, Reichsminister, "Stellvertreter des Führers", flog 1941 nach Großbritannien, um London zu einem Separatfrieden zu bewegen.

Lebenslang. Brachte sich 1987 im Gefängnis um.

Im Bild: Heß (li.) und Ribbentrop

Donitz On Trial

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Karl Dönitz, Großadmiral, Marinechef, von Hitler vor seinem Suizid noch als Reichspräsident eingesetzt.

Zehn Jahre Haft.

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Wilhelm Frick, früher Gefolgsmann Hitlers, Reichsinnenminister bis 1943, später entmachtet, Reichsprotektor von Böhmen und Mähren.

Todesstrafe.

Walther Funk, Reichswirtschaftsminister (1938) und Reichsbankpräsident (ab 1939), ermöglichte die finanzielle Beraubung der Juden, übernahm von der SS Vermögenswerte ermordeter KZ-Häftlinge.

Lebenslang. Begnadigung 1957.

Erich Raeder, Großadmiral, Chef der Kriegsmarine bis 1943.

Lebenslang, Begnadigung 1955.

Baldur von Schirach, Reichsjugendführer der NSDAP, zuletzt Reichsverteidigungskommissar von Wien.

20 Jahre Haft.

Alfred Jodl, Chef des Wehrmachtführungsstabes, mitverantwortlich für Deportationen von Juden und die Ermordung von gefangenen sowjetischen Kommissaren.

Todesstrafe.

Arthur Seyß-Inquart, Reichsstatthalter von Österreich nach dem "Anschluss", Reichskommissar für die besetzten Niederlande, maßgeblich verantwortlich für die Enteignung, Verfolgung und Deportation von Juden.

Todesstrafe.

Hans Fritzsche, Journalist und Funktionär im Reichspropagandaministerium, Verkünder von NS-Hetze und Durchhalteparolen, saß statt Joseph Goebbels auf der Anklagebank.

Freispruch.

Im Bild: Die Angeklagten bei der Urteilsverkündung (v.li. unten) Göring, Heß, Ribbentrop, Keitel, Rosenberg, Frank, Frick, Streicher, Walther Funk und Schacht. Zweite Reihe: Dönitz, Raeder, Schirach, Sauckel, Jodl, Papen, Seyß-Inquart, Speer, Neurath und Fritzsche

Inge Viermetz

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Die Todesurteile wurden am 16. Oktober 1946 vollstreckt, die Verurteilten wurden gehängt, die Leichen auf dem Münchner Ostfriedhof verbrannt und ihre Asche in die Isar gestreut.

In den Folgejahren fanden vor US-Militärgerichten zwölf weitere große Prozesse gegen NS-Verbrecher statt.

Im Bild: Die Angeklagte Inge Viermetz muss sich als ehemaliges Mitglied des SS-Gefolges (weibliche Zivilangestellte der SS) für ihre Rolle beim Lebensborn-Projekt rechtfertigen. Viermetz wurde schließlich freigesprochen.

Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess Chef des Nachrichtendienstes der SS Walter Schellenberg

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Manche NS-Funktionäre kamen glimpflich davon, so etwa Walter Schellenberg. Der SS-General hatte als Geheimdienst-Koordinator Anteil an Verbrechen und Einblick in die Vernichtungsstrategie der Nazis. Er soll sein Spionage-Wissen an die Alliierten weitergegeben haben, wurde 1949 im Wilhelmstraßen-Prozess zu sechs Jahren verurteilt, allerdings wurde die Zeit im Gefängnis ab 1945 angerechnet. 1950 wurde Schellenberg krankheitsbedingt entlassen.

Flick Indictment

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Dem Großindustruielle Friedrich Flick wurde gemeinsam mit einigen seiner Manager ein separater Prozess (Flick-Prozess) gemacht. Er profitierte finanziell massiv durch den Krieg, in seinen Betrieben schufteten und starben Tausende Arbeitssklaven.

Flick wurde 1947 zu sieben Jahren Haft verurteilt, konnte das Gefängnis aber schon 1950 verlassen.

Ernst von Weizsäcker

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Für seine Rolle bei Judendeportationen wurde der Diplomat Ernst Freiherr von Weizsäcker, Staatssekretär im Auswärtigen Amt der NS-Diktatur, 1949 im sogenannten Wilhelmstraßen-Prozess verurteilt. Der Vater des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der ihn verteidigte, erhielt eine Strafe von fünf Jahren - und wurde vorzeitig entlassen.

Im Bild: Weizsäcker und seine Frau Marianne 1950 beim Verlassen der Haftanstalt.

Baldur Von Schirach

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Andere NS-Größen wurden begnadigt oder verließen nach Verbüßung ihrer Strafe das Gefängnis - und veröffentlichten ihre geschönten Memoiren.

Im Bild: Baldur von Schirach nach seiner Entlassung 1966 mit seinem Sohn.

Spandau Jail

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Die vier alliierten Hauptsiegermächte teilten sich die Bewachung der NS-Verbrecher im Kriegsverbrechergefängnis Berlin-Spandau auf. Nach dem Tod des letzten Gefangenen Rudolf Heß im Jahre 1987 wurde die Haftanstalt abgerissen.

Im Bild: Sowjetische Wachtruppen vor dem Gefängnis in Berlin-Spandau 1966.

© SZ.de/odg/mcs/cat
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