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Nürburgring-Desaster:König Kurts niemals endender Albtraum

Diese Pleite wird er nicht mehr los: Weil der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Beck die Misere des Nürburgrings schönredete, trägt er die Verantwortung an dem Desaster. Trotzdem gesteht er den Fehler nicht ein - wohl weil ihm dann nur noch der Rücktritt bliebe.

Marc Widmann

Es ist schon traurig, dass ausgerechnet Kurt Beck so etwas widerfährt. Seit bald 18 Jahren regiert er Rheinland-Pfalz als König der kleinen Leute, erforscht penibel die Nöte seiner Mitbürger und verwandelt seinen Zorn über Ungerechtigkeiten in Politik.

Und dann das. Dann verlässt ihn beim Ausbau des Nürburgrings zuerst sein Gespür, dann der gesunde Menschenverstand. Dann redet er jahrelang ein Projekt schön, das seine Landsleute wohl einen dreistelligen Millionenbetrag kosten wird; ein Luftschloss in der Eifel. Wie konnte das nur passieren? Ihm?

Der Skandal wurde zum Albtraum

Es ist, leider, eine Mischung aus Überforderung, Selbstüberschätzung und Arroganz der Macht. Kurt Beck wird diese Pleite nicht mehr loswerden, auch weil er eine Grundregel missachtet hat: Politische Krisen entstehen nicht allein durch das Vergehen am Anfang, sondern vor allem durch die Fehler danach, beim Versuch, die Wahrheit zu verheimlichen oder nur scheibchenweise herauszulassen. So werden Skandale zu einem niemals endenden Albtraum. So wurde der Nürburgring zu König Kurts Schlossgespenst.

Als Becks Regierung den überdimensionierten Freizeitpark für 330 Millionen Euro an den Nürburgring betonieren ließ, war Beck auf dem Gipfel seiner Macht. Seine SPD regierte mit absoluter Mehrheit, es war kein Koalitionspartner mehr da, der sie kontrollierte. Beck war zusätzlich Chef der Bundes-SPD, einer der mächtigsten Männer der Republik, aber dadurch auch von den Dingen zu Hause abgelenkt.

So nahm das Unheil seinen Lauf, ungebremst, weil seine Genossen zu Hause stets behaupteten, sie hätten alles im Griff. Dabei lief alles geradewegs Richtung Katastrophe. Die Baukosten explodierten, windige Geschäftsleute zockten das Land ab, Investoren hielten Abstand, Besucher blieben aus.

Fehler einzugestehen, erfordert Mut

Dass das Projekt vor die Wand fahren würde, war seit Jahren für jeden Besucher des oft menschenleeren Erlebnisparks absehbar. Doch einen Fehler einzugestehen, erfordert Mut, erst recht von Politikern vor einer Landtagswahl. Kurt Beck hatte diesen Mut nicht, er sprach immer weiter von einem "Erfolgsmodell" und davon, dass ihm in fünf Jahren alle dankbar sein würden für die Investition.

Von internen Prognosen, die horrende Verluste vorhersagten, erfuhren die Wähler nichts. Es sieht so aus, als wollten sich Beck und die SPD um jeden Preis über die Wahl retten - selbst wenn der Preis die Aufrichtigkeit war. In was hat er sich da nur verrannt?

Jetzt verdunkelt die Sache seine letzte Amtszeit. Wahrscheinlich gibt es vor allem einen Grund, weshalb Kurt Beck nicht einen Fehler ehrlich eingesteht, den alle längst erkannt haben - weil ihm angesichts des Betrags, um den es hier geht, wohl nur der Rücktritt bliebe; nach all seiner Schönrederei. Seine Nachfolger stehen schon parat, aber auch an ihnen klebt diese Pleite, wie an der ganzen Partei. Wenn Beck ihr einen Gefallen tun möchte, dann sucht er den Schuldigen nicht länger anderswo. Oder der Albtraum geht immer weiter.

© SZ vom 26.07.2012/str
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