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NSU:Verfassungsschutz suchte Kontakt zu Wohlleben

Eine Gesprächnotiz zeigt: NSU-Helfer Ralf Wohlleben sollte womöglich als V-Mann für die Thüringer Sicherheitsbehörden arbeiten. Das Innenministerium geht einem entsprechendem Verdacht nach.

Der Thüringer Neonazi Ralf Wohlleben hat offenbar Spitzel in der rechten Szene werden sollen. Das gehe aus einer Gesprächsnotiz hervor, die jetzt bei Bundesbehörden aufgetaucht sei, teilte eine Sprecherin des Thüringer Verfassungsschutz mit.

Demnach hätten der Thüringer Verfassungsschutz und das Landeskriminalamt Wohlleben im Februar 1999 "angesprochen". Das Ergebnis sei jedoch in beiden Fällen negativ gewesen, außerdem wurde von einer erneuten Ansprache abgeraten. Ob Wohlleben oder die Behörden die Zusammenarbeit nicht wollten, ist bisher unklar.

Die neuen Erkenntnisse hätte das Amt aus einer Aktenrecherche auf Bundesebene gewonnen, bei der eine Gesprächsnotiz vom Februar 1999 auftauchte. Darin war eine Mitteilung eines damaligen Geheimdienstmitarbeiters aus Thüringen abgelegt.

Ob es sich um einen Anwerbeversuch als V-Mann gehandelt habe, könne anhand der Gesprächsnotiz nicht gesagt werden, sagte ein Sprecher des Thüringer Innenministeriums. Es bleibe dabei, dass der damalige NPD-Funktionär Wohlleben kein V-Mann Thüringer Sicherheitsbehörden gewesen sei.

Das Bundesinnenministerium geht derzeit dem Verdacht nach, der wichtigste Helfer des Zwickauer Terrortrios könnte V-Mann beim Verfassungsschutz gewesen sein. Ein Bundesanwalt will zu Zeiten des NPD-Verbotsverfahrens den Namen "Wohlleben" auf einer Liste mit V-Leuten gesehen haben. Doch es gibt Zweifel, ob er sich richtig erinnert.

Ralf Wohlleben sitzt seit November 2011 in Untersuchungshaft. Er ist einer der wichtigsten Beschuldigten im NSU-Verfahren. Früher war er ein führender NPD-Politiker in Thüringen. Nachdem Online-Medien den Namen im Zusammenhang mit dem neuen Verdacht publik gemacht hatten, dementierte Wohllebens Anwältin Nicole Schneiders eine V-Mann-Tätigkeit ihres Mandanten. Es überrasche sie auch, dass man sich bei der Bundesanwaltschaft erst jetzt an den vermeintlichen Sachverhalt erinnere, sagte sie der Süddeutschen Zeitung.

 

© Süddeutsche.de/dpa/dapd/anri/sana
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