NSU-Trio in der NDR-Dokumentation Als Beate Zschäpe vor der Kamera turnte

Sie fuhren in Urlaub, trafen Freunde, feierten: Eine TV-Doku zeigt, wie sicher sich die Rechtsextremisten der Zwickauer Terrorzelle fühlten, wie stark integriert sie in ihre Nachbarschaft waren. Zur selben Zeit, als sich die Hinterbliebenen ihrer Opfer schlimmsten Verdächtigungen ausgesetzt sahen.

Konzentriert springt die dunkelhaarige Frau zur Musik von einem Bein aufs andere. Von den Kameras, die ihre Freiluft-Aerobicstunde auf Fehmarn filmen, lässt sie sich nicht stören. Die Frau ist Beate Zschäpe, die Kameras gehören zu einem Filmteam, das im Sommer 2011 auf der Ostseeinsel dreht.

Zschäpe ist da schon Terroristin, sie lebt seit 13 Jahren im "Untergrund", wie es heißt. Gemeinsam mit ihren Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos soll sie zehn Menschen ermordet haben. Doch die deutschen Sicherheitsbehörden tappen im Dunkeln. Und Zschäpe turnt scheinbar sorglos vor der Kamera.

Die Szene am Strand ist ein Schlüsselmoment der neuen Dokumentation "Die Nazi-Morde", die am Montag im NDR-Fernsehen läuft und schon jetzt in der Mediathek zu sehen ist. Sie zeigt, wie sehr sich die Terroristen der Gruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" bis zu ihrer Enttarnung im November 2011 in Sicherheit wogen. Und wie stark sie in die Gesellschaft integriert waren.

Die Macher des Films haben zwei Nachbarinnen der Neonazis besucht, die mit Beate Zschäpe, die sie unter dem Namen "Lisa Dienelt" kannten, befreundet waren. Sie haben mit der Frau, der bald in München der Prozess gemacht wird, gefeiert, geraucht und Kaffee getrunken. Auf Zschäpe lassen sie bis heute nichts kommen, wie sich im Gespräch mit dem NDR zeigt:

"Für mich war sie wie eine Art Schwester."

"Da war nichts Fremdes, das war nicht nur 'ne Freundin oder Bekannte, die zu Besuch kam. Das war mehr."

"Wenn die Tür aufging, und die Lisa stand vor der Tür, dann war die Welt in Ordnung."

"Ich konnte der Lisa alles anvertrauen, was ich wollte."

Währenddessen, auch das zeigt die NDR-Dokumentation auf erschütternde Weise, mussten sich die Hinterbliebenen der Opfer der drei Rechtsterroristen schlimmste Anschuldigungen gefallen lassen. Die Behörden gingen lange von Verbrechen im kriminellen Milieu aus, an einen ausländerfeindlichen Hintergrund dachte niemand.

Wie verletzend das für diejenigen noch heute ist, die einen Angehörigen auf grausame Weise verloren, wird umso klarer, wenn es den Aussagen der Nachbarn Zschäpes gegenübergestellt wird. Die glauben auch heute noch nicht so recht an die Schuld der Freundin.

"Vielleicht war sie einfach nur so dabei?", mutmaßt ein Nachbar, der nur mit verpixeltem Gesicht vor die Kamera treten will. Eine von Zschäpes Freundinnen sagt immerhin: "Dass wir so 'ne Freundin haben, haben wir auch nicht geahnt."

Doch beide nehmen die politische Einstellung Zschäpes grundsätzlich in Schutz. "Es gibt ja auch ruhige, friedliebende Rechtsextreme. Die hören zwar diese Musik und haben diese Meinung, aber da denkt man nicht, dass die irgendwann 'ne Waffe ziehen", sagt eine der Nachbarinnen.

Ein anderer aus der Runde sagt: "Menschen, die hierher kommen, im Asylheim wohnen, da 'nen Geldantrag stellen und da einen, da kriegen sie alles in den Arsch geblasen, solche Menschen hass' ich. Ganz ehrlich."

Angeklagte und Anwälte

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