NSU-Prozess:Etwas mehr Benzin hätte NSU-Versteck völlig zerstört

Der Gutachter hält es für wahrscheinlich, dass der Brandstifter an der Wohnungstür das Benzin anzündete. Wie bei einer Lunte verbreitete sich dann das Feuer von Benzinlache zu Benzinlache. Zeugen haben berichtet, wie sie Zschäpe kurz nach Ausbruch des Feuers auf die Straße laufen sahen. Als sich die Angeklagte am 8. November 2011 der Polizei stellte, trug sie Socken, an denen Kriminaltechniker noch Spuren von Benzin entdeckten.

Im Hausflur, am Eingang von Zschäpes Wohnung, fanden die Ermittler einen fast leeren Zehn-Liter-Benzinkanister. Im Brandschutt wurde später noch ein weiteres Behältnis mit einem Brandmittel gefunden.

An die Wände des Gerichtssaals werden nun Fotos von den teilweise völlig ausgebrannten Zimmern geworfen. In einigen Räumen ist fast alles zerstört, in anderen noch vieles erhalten. In einem Zimmer sind von einem Bett nur noch die Sprungfedern übrig. Im Bad ist dagegen sogar die Klopapierrolle noch zu erkennen.

Der Gutachter schätzt, dass mindestens fünf und höchstens 20 Liter Benzin verteilt und entzündet wurden. Er zeigt ein Foto eines anderen Falles: Zu sehen ist ein Familienhaus, in dem 35 Liter verschüttet wurden. Durch die Explosion dort ist das Gebäude vollständig zerstört worden. Der Experte erklärt geduldig den Zusammenhang zwischen der Menge des Benzins, der Größe der "explosiven Wolke" und dem dadurch entstehenden Druck. Wäre in Zwickau etwas mehr Brandmittel benutzt worden, wäre von dem NSU-Versteck kaum etwas übrig geblieben.

Nachfragen der Verteidigung sollen Entlastung für Zschäpe bringen

Zschäpes Verteidiger stellen eine Reihe Nachfragen, mit denen sie ihre Mandantin zu entlasten suchen. Sie wollen nicht zuletzt den Vorwurf des versuchten Mordes an der Nachbarin erschüttern. So will der Anwalt Wolfgang Stahl wissen, ob es möglich gewesen wäre, dass der Brandstifter, nachdem er Benzin verschüttet hat, kurz das Haus verlässt und nach kurzer Zeit zurückkommt, um erst dann das Feuer zu legen? Die Antwort: Möglich wäre es wohl. In der Zwischenzeit, darauf wollen die Verteidiger offenbar hinaus, könnte der Brandstifter beispielsweise versucht haben, die 89-jährige Nachbarin zu warnen.

Angeblich soll Zschäpe bei der Nachbarin geklingelt haben. Sollte es so gewesen sein, so hat die alte Frau darauf aber nicht reagiert. Sie lebt jetzt in einem Seniorenheim und ist gesundheitlich nicht in der Lage, als Zeugin nach München zu kommen. Eine Vernehmung per Videoschaltung musste im Dezember nach kurzer Zeit abgebrochen werden.

Weitere Berichte auf der Themenseite zum NSU-Prozess.

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