NSU-Prozess Zschäpe ist empört

Beate Zschäpe beschuldigt ihre Verteidiger, ihre Schweigepflicht gebrochen zu haben.

(Foto: dpa)
  • Beate Zschäpe, Hauptangeklagte im Prozess um die rechtsradikale Terrorzelle NSU, bittet erneut in einem Brief an das Gericht um Entpflichtung von dreien ihrer Verteidiger.
  • Sie hätten aus einer E-Mail eines weiteren Anwalts zitiert und damit ihre Schweigepflicht gebrochen.
  • Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Streit einen Hinweis auf die Selbständigkeit der Angeklagten - die diese im Bezug auf ihre Rolle in der Terrorzelle bestreitet.
Von Annette Ramelsberger

Sie mögen sich nicht, sie reden nicht mehr miteinander, aber sie kommen nicht von einander los. Beate Zschäpe, die Hauptangeklagte im NSU-Prozess, wird ihre Verteidiger wohl so schnell nicht loswerden und die sie nicht - obwohl Zschäpe selbst am Mittwoch noch einmal einen Brief an das Gericht geschrieben und um Entpflichtung der drei ursprünglichen Verteidiger gebeten hat. Der Brief liegt der Süddeutschen Zeitung vor.

Zschäpe ist empört: Die Verteidiger hätten sie der Lüge bezichtigt, schreibt sie an das Gericht, sie hätten ihre anwaltliche Schweigepflicht gebrochen und wörtlich aus einer E-Mail zitiert, in der Zschäpes neuer Anwalt Mathias Grasel zugibt, dass er die Angeklagte von einem Befangenheitsantrag der drei anderen Anwälte unterrichtet habe - und sie damit einverstanden sei. Zschäpe aber war nicht einverstanden und nahm die Befangenheitsanträge in einem Schreiben an das Gericht höchstpersönlich zurück. Es geht darum, wer das Sagen hat in diesem sehr schwierigen Mandantenverhältnis mit zwei Verteidigerteams und einer sehr selbstbewussten Angeklagten. Da kam es schon mehrmals zu Zusammenstößen.

Alles kein Problem, sagt die Bundesanwaltschaft. In einer Stellungnahme an das Gericht erklärt Oberstaatsanwältin Anette Greger, Zschäpe habe sich das ganze Kuddelmuddel selbst zuzuschreiben, weil sie es ablehne, mit ihren alten Anwälten zu reden. Da könne so ein Missverständnis schon mal vorkommen. Die Anwälte seien bereit mit ihr zu reden und würden sie auch aktiv verteidigen. Das zeigten ihre Anträge in der Hauptverhandlung. Außerdem, fügte Greger feinsinnig hinzu, zeige Zschäpes Brief an das Gericht, dass sie eine "selbständige, eigenverantwortlich agierende Verfahrensbeteiligte" sei - und eben niemand, der sich unterbuttern lasse. So aber hatte sie ihre Rolle im Verbund mit ihren beiden Männern dargestellt, die als NSU-Mörder durch die Lande zogen und zehn Menschen töteten.

Die Psyche Zschäpes soll auch noch einmal nach Ostern Thema im Prozess werden. Dann soll der Psychiatrieprofessor Pedro Faustmann aus Bochum geladen werden, der sich kritisch mit dem Gutachten des Gerichtspsychiaters Henning Saß befasst. Dieser hält Zschäpe für voll schuldfähig und immer noch gefährlich und sieht bei ihr die Voraussetzungen für eine Sicherungsverwahrung für gegeben. Mittlerweile hat auch der Psychologe und Buchautor Joachim Bauer aus Freiburg in der Haft mit Zschäpe geredet. Möglicherweise wird auch er noch etwas zur Angeklagten sagen. Zschäpes Seele ist noch für viele Verhandlungstage gut.

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