NSU-Prozess Vierter Anwalt übernimmt Zschäpes Verteidigung

  • Mathias Grasel übernimmt als vierter Anwalt von Beate Zschäpe eine anspruchsvolle Aufgabe.
  • Grasel steigt nach 215 Verhandlungstagen in den Prozess ein, der auf die Zielgerade geht.
  • Er kündigt an, sich um Kooperation mit den anderen Anwälten zu bemühen.
Von Annette Ramelsberger

Anwalt übernimmt anspruchsvolle Aufgabe

Beate Zschäpe, Hautpangeklagte im NSU-Prozess, wird von einem vierten Anwalt vertreten. Das Oberlandesgericht München bestellte am Montag den erst 30 Jahre alten Strafverteidiger Mathias Grasel als vierten Pflichtverteidiger - neben den drei Anwälten Anja Sturm, Wolfgang Heer und Wolfgang Stahl, die Zschäpe schon seit Prozessbeginn verteidigen. "Frau Zschäpe hat mich darum gebeten, ihre Verteidigung zu übernehmen", schrieb Grasel in einer Erklärung. "Diesem Wunsch habe ich entsprochen und gegenüber dem Strafsenat meine Bereitschaft hierzu mitgeteilt."

Grasel übernimmt eine anspruchsvolle Aufgabe. Er steigt nach 215 Verhandlungstagen in den Prozess ein, der fast schon auf die Zielgerade geht. Grasel ist sich der Schwere der Aufgabe bewusst: "Aufgrund des fortgeschrittenen Prozessverlaufs und des immensen Aktenvolumens ist dies sicherlich eine große Herausforderung, der ich mich nun stellen werde. Ich werde dabei im Hintergrund von einem renommierten Strafverteidiger mit langjähriger Erfahrung unterstützt." Es handelt sich dabei mit großer Wahrscheinlichkeit um Hermann Borchert, der Zschäpe bereits in zivilrechtlichen Dingen berät und über den der Kontakt zwischen Grasel und Zschäpe zustande gekommen ist.

Ob Zschäpe ihr Schweigen bricht, ist unklar

Grasel hat in München sein Examen gemacht und sein Referendariat am Oberlandesgericht München absolviert. Mit erst 26 Jahren machte er sich selbständig und durchlief die Ausbildung zum Strafverteidiger. Der SZ sagte Grasel, er werde Beate Zschäpe eine "Verteidigung nach ihrem Wunsch" angedeihen lassen.

Ob die Angeklagte nun allerdings ihr Schweigen bricht, ist noch nicht ausgemacht. Grasel hatte angekündigt, dass er sich um Kooperation mit den bisherigen Verteidigern bemüht, die ja weiterhin in der Pflicht bleiben. Die jedoch raten Zschäpe energisch davon ab, sich vor Gericht zu äußern. Wenn Zschäpe nicht vollständig spricht, kann ihr das als "Teilschweigen" zum Nachteil ausgelegt werden.

Zschäpe hatte vor ein paar Wochen beantragt, ihre Verteidigerin Anja Sturm zu entpflichten, weil sie kein Vertrauen mehr zu ihr habe. Dem Wunsch entsprach das Gericht nicht, stellt ihr aber jetzt einen vierten Anwalt zur Seite. Alle vier Pflichtverteidiger von Zschäpe werden aus Steuermitteln gezahlt, da sie selbst mittellos ist. Sie werden der Angeklagten beigeordnet, um das Verfahren zu sichern.