NSU-Prozess Tägliches Zusammensein im Keller

"Können Sie sich noch an den Besuch erinnern?", fragt der Richter. "Eine Frau, schwarzhaarig, tätowiert, gefällt mir eh nicht, deswegen weggekuckt. Mann auch tätowiert, am Unterarm." So redet der Zeuge Busch, kurz, prägnant, subjektiv. "Und die Kinder?", fragt der Richter. "Wie alt?" - "Fünf, sieben, so ungefähr. Auf jeden Fall sind sie schön im Treppenhaus rauf und runter, Holterdipolter." Jetzt lächelt der Angeklagte André E. - es geht um seine Frau, seine Kinder. Sie hatten bis zuletzt engen Kontakt zu Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt.

Mit "den Herren", so nennt Busch sie, hatte er weniger zu tun. Ihm habe "die Diddlmaus" als Nachbarin gereicht. Richter Götzl liest nun aus der Vernehmung Buschs durch die Polizei vor: "Wir sitzen eigentlich fast täglich bei mir im Keller und trinken etwas." - "Ja, ist nichts Verwerfliches dran, oder", geht Busch hoch. "Sie hat sich öfter zu uns gesetzt - das ist im Osten so." - "Das ist nicht nur im Osten so, das ist überall so", sagt Götzl.

Jutesack mit Hakenkreuz hängt an der Wand

Aber vermutlich hängt nicht überall so ein Bild im Keller, wie es Busch zuträglich findet für die Gemütlichkeit: ein Hitler-Porträt. Angeblich als Andenken an einen verstorbenen Nachbarn. Keiner habe sich daran gestört, auch Frau Zschäpe nicht. "Wie ist Ihre politische Einstellung?", fragt der Richter den Zeugen. "Ich nehm' es so, wie es ist." Einer seiner Freunde hatte bei der Polizei gesagt, Busch habe erklärt, unter Hitler sei alles besser gewesen. "Ich weiß nicht, wie der zu der Aussage kommt", sagt Busch.

Die Anwälte der Angehörigen, deren Männer der NSU getötet hat, fragen: "Trifft es zu, dass Sie einen Jutesack mit einem Hakenkreuz im Keller hatten?" - "Nicht im Keller, der hing in der Wohnung an der Wand." - "Zu welchem Zweck?" - "Den habe ich gefunden bei einer Entrümpelung, war noch nagelneu, eingepackt in Folie." - "Fahren Sie einen Kübelwagen mit Eisernem Kreuz drauf"? - "Ja, den hab ich noch. Das Eiserne Kreuz ist das Hoheitszeichen der Bundesrepublik Deutschland. Das hat die Bundeskanzlerin auf ihrem Flugzeug drauf." - "Ich frage ja nur nach Ihrer politischen Meinung, Sie sagten, Sie hätten keine. Jutesack mit Hakenkreuz, Hitlerbild, Kübelwagen - da sehen Sie keinen Zusammenhang?" - "Definitiv nein", sagt der Mann aus dem Keller. Und auch seine liebe Nachbarin habe ihre politische Gesinnung nie preisgegeben.