NSU-Prozess in München:500 Mark Steuergeld als Spende

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Als Brandt nach dem Telefongespräch mit Böhnhardt berichtete, er wisse nun, dass die drei ihr Aussehen verändert haben, da fragte der Verfassungsschützer noch nicht einmal nach, wie sie denn jetzt aussähen. Wießner wunderte sich nur, dass Brandt Böhnhardt auf Observationsfotos nicht erkennen wollte - trotz großer Ähnlichkeit. Später stellte sich heraus, dass auf diesen Fotos wirklich Böhnhardt zu sehen war. Der Verfassungsschutz hatte 1999 also den richtigen Mann observiert, erkannte aber nicht, wer es war. Weil man der Quelle Brandt zu sehr glaubte, die Böhnhardt möglicherweise deckte.

Gleichzeitig gab der Verfassungsschützer zu, dass man Brandt in der rechten Szene noch vertrauenswürdiger machen wollte, um mehr Informationen über die drei zu bekommen. Also lief der Mann mit 500 Mark Steuergeld beim Mitangeklagten Ralf Wohlleben auf, der Spinne im rechten Netz, und erklärte, das sei eine Spende für die drei. Wohlleben habe sich erfreut gezeigt über die schnelle Spende, weil der NSU das dringend brauchen könnte, so steht es in den Vermerken des Verfassungsschutzes. Und so bestätigt es auch Norbert Wießner. Doch mehr Informationen bekam der Verfassungsschutz so nicht.

Dabei hatte er schon alles, was er brauchte, damit der NSU festgenommen werden konnte: Brandt hatte seinem V-Mann-Führer berichtet, dass nun der junge Rechtsradikale Carsten S. der Kontaktmann zu dem Trio sei. Und Carsten S., der nun ebenfalls auf der Anklagebank sitzt, überbrachte den dreien kurz darauf auch die Tatwaffe für neun der zehn Morde.

Man hätte nur Carsten S. observieren müssen, er hätte die Ermittler direkt zum NSU geführt. Noch bevor der erste Mord geschehen war.

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