NSU-Prozess in München:Angeklagter will nicht mehr an Verhandlungen teilnehmen

Die Mordvorwürfe beträfen ihn nicht: Nach 20 Prozesstagen hat der Angeklagte André E. keine Lust mehr, jede Woche im Gericht zu verbringen. Der engste Vertraute des NSU beantragt, bei der Verhandlung der Morde nicht mehr erscheinen zu müssen.

Von Annette Ramelsberger

Nach 20 Prozesstagen hat der Angeklagte André E., der engste Vertraute des Nationalsozialistischen Untergrunds, keine Lust mehr, jede Woche im Gericht zu verbringen. Er ließ am Dienstag über seine Anwälte den Antrag einbringen, das Gericht möge ihm an den Tagen, an denen es nicht um seine eigenen Tatvorwürfe gehe, die Teilnahme am Prozess erlassen.

Die Bundesanwaltschaft wirft André E. die Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vor. Er soll bis zuletzt engen Kontakt zu Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gehabt haben und fest im rechtsradikalen Gedankengut verankert sein. Seine Anwälte erklärten nun, die Mordvorwürfe gegen den NSU beträfen ihren Mandanten nicht.

Die Bundesanwaltschaft trat dem entgegen. Es gehe nicht, einzelne Delikte abzutrennen. Es handele sich bei den Vorwürfen um ein Organisationsdelikt und es gehe auch darum, ob der Verdacht, dass der NSU eine terroristische Vereinigung war, überhaupt zutreffe. Das alles müsse der Prozess klären. Über den Antrag von André E. muss nun das Gericht entscheiden.

Am Dienstag begann die Beweisaufnahme zum ersten Mord des NSU am Blumenhändler Enver Şimşek in Nürnberg. Er wurde im September 2000 achtmal angeschossen und erlag später seinen schweren Verletzungen. Die Beweisaufnahme wird am Mittwoch fortgesetzt.

Zudem wurde am Vormittag bekannt, dass der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht in München sehr lange dauern wird - der Vorsitzende Richter hat nun Termine bis Ende 2014 anberaumt. Das bestätigte eine Gerichtssprecherin.

Zunächst waren die Verhandlungen bis zum Januar 2014 geplant gewesen. Allerdings war schon damit gerechnet worden, dass diese Termine nicht ausreichen - und das Verfahren insgesamt mindestens zwei Jahre dauert. Vermutlich wird sich der NSU-Prozess sogar bis ins Jahr 2015 ziehen.

© Süddeutsche.de/afis
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB