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NSU-Prozess:"Es war nur eine Tür zwischen uns"

  • Insgesamt 15 Raubüberfälle sollen die NSU-Terroristen Uwe Bönhardt und Uwe Mundlos verübt haben. Vor Gericht werden nun Zeugen dieser Straftaten gehört.
  • Manche Opfer leiden heute noch unter den Folgen der teilweise brutalen Übergriffe.

An einem Tag im September

Im NSU-Prozess beschäftigt sich das Gericht jetzt mit den 15 Raubüberfällen, die von den Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt verübt worden sein sollen. Am Dienstag haben mehrere Sparkassen-Angestellte aus Arnstadt in Thüringen berichtet, wie an einem Tag im September 2011 zwei maskierte Männer in ihre Filiale stürmten. Es war morgens, kurz nach Öffnung, und die Täter brüllten: "Überfall". Als eine Mitarbeiterin im Kassenraum nicht gleich die Tür öffnete, schlug einer der Männer mit einem Telefon auf eine andere Angestellte ein.

Ein Räuber drang bis zum Tresorraum vor, dort dauerte es ihm aber alles zu lange. Es gab ein Zeitschloss. Der Filialleiter, der bereits den Alarmknopf gedrückt hatte, bat den Räuber um Geduld. Die Täter wollten nicht warten und flüchteten mit nur 15 000 Euro, die sie aus dem Kassenraum erbeuteten. Auf Fahrrädern fuhren sie davon.

Im Kassenraum stand damals Sabine K., die sich zunächst weigerte, ihre Tür zu öffnen. "Er stand vor mir, es war nur die Tür zwischen uns, und er hat gesagt: 'Machen Sie auf, sonst fliegen wir alle in die Luft!'" In seiner Hand hielt der Maskierte einen Gegenstand, der die Angestellte an eine Handgranate erinnerte. Eine entsprechende Attrappe fanden die Ermittler später bei den Terroristen.

Die Bankkaufrau Gundula F., die mit einem Telefon niedergeschlagen wurde, leidet bis heute unter den Folgen des Überfalls. Fünf, sechs Mal habe der Täter auf sie eingeprügelt, sagt die Zeugin. Im Kundenbereich kann die 45-Jährige seitdem nicht mehr arbeiten. Lange Zeit hatte sie Probleme, überhaupt ihre Wohnung zu verlassen. Mehrere Monate war sie in psychologischer Betreuung. Wenn sie an den Überfall denke, "dann geht es mir richtig schlecht, durch die Verhandlung heute ist alles wieder hochgekommen".

Hilflos und wütend

Der Bankangestellte Owald A. sagt, er habe den Überfall recht gut weggesteckt. "Was mir am meisten zu schaffen macht: Dass man in so einer Situation Angst hat, hilflos ist - und wütend. Man ist ja ein Mann und hätte die Möglichkeit gehabt, den niederzuschlagen. Aber was, wenn man so eine Heldentat vollbracht hätte - und die hätten dann eine Kollegin erschossen?"

Der 57-Jährige hatte den Eindruck, dass die Täter sehr hektisch waren. Sie seien ihm unprofessionell vorgekommen. Einer der Täter sei Linkshänder gewesen (dies könnte Uwe Böhnhardt gewesen sein). "Ich habe gedacht, das sind Dilettanten, die Täter. Wir haben Riesenschilder, dass der Tresor zeitschlossgesichert ist."

© SZ.de/ghe
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