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NSU-Prozess:Über den Bombenanschlag in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004:

"Sie berichteten keine Details, nur dass sie eine Nagelbombe zur Explosion gebracht hatten (...). Beide begründeten ihr Tun damit, die türkische Bevölkerung in Köln in Angst und Schrecken versetzen zu wollen und, - zum wiederholten Male - dass sie ihr 'Leben verkackt' hätten."

Über die Morde an İsmail Yaşar (Nürnberg, 2005), Theodoros Boulgarides (München, 2005), Mehmet Kubaşık (Dortmund, 2006) und Halit Yozgat (Kassel, 2006):

"Sie berichteten nicht von den genauen Örtlichkeiten - diese kenne ich erst aus den Ermittlungsakten. Sie nannten auch keine Namen. Sie brüsteten sich vielmehr damit, dass sie 'vier weitere Ausländer umgelegt' hätten. (...) Ich war unglaublich enttäuscht darüber, dass sie erneut gemordet hatten."

Über den Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 in Heilbronn. Ihr Kollege überlebte schwer verletzt:

"Ich war regelrecht ausgeflippt, hysterisch und ihnen gegenüber sogar handgreiflich geworden, wobei ich versucht hatte sie zu schlagen. Nachdem ich wieder einen vernünftigen Gedanken fassen konnte, fragte ich nach dem Warum. Ich erhielt die unfassbare Antwort, dass es ihnen nur um die Pistolen der zwei Polizisten ging. Sie seien mit ihren Pistolen wegen häufiger Ladehemmungen unzufrieden gewesen. Das war der einzige Grund, warum erneut ein Mensch sterben musste."

Über den Namen NSU:

"Uwe Mundlos hatte sich diese drei Buchstaben einfallen lassen. Er kam auf die Idee dem Magazin "Der Weiße Wolf" den Betrag von 1.000,00 DM zu spenden. (...) Er hatte über ein Synonym für den Absender nachgedacht. Seine Überlegung war: 'Er war untergetaucht und befürwortete einen Großteil der Ideen des Nationalsozialismus. Diese zwei Begrifflichkeiten zusammengesetzt ergaben die Abkürzung 'NSU'."

Über ihre eigene Beziehung zum NSU:

"Es kann überhaupt keine Rede davon sein, dass ich ein Gründungsmitglied einer Vereinigung namens 'NSU' gewesen sein soll. Eine solche Gründung hatte niemals stattgefunden. (...)'NSU' als 'Vereinigung' betrachtet hätte maximal aus zwei Personen bestehen können: Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, wobei ich betone, dass sich Uwe Böhnhardt niemals einer anderen Person untergeordnet hätte."

Über die gegen sie gerichteten Vorwürfe:

"Ich weise den Vorwurf der Anklage, ich sei ein Mitglied einer terroristischen Vereinigung namens 'NSU' gewesen, zurück. Ich weise (...) die Vorwürfe zurück, ich hätte mich mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt als "integraler Bestandteil zum Gesamtkonzept der Anschläge" zusammengeschlossen (...). Ich weise den Vorwurf zurück, dass ich mich mit den Mordtaten von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt sowie ihrem "ideologischen Hintergrund 'identifiziert' hätte oder hätte identifizieren müssen, um einen 'Aussteigereffekt' zu vermeiden."

Über den 4. November 2011, als Zschäpe klar war, dass Mundlos und Böhnhardt tot waren:

"In diesem Augenblick hatte ich nur den einen Gedanken: ihren letzten Willen und mein Versprechen ihnen gegenüber zu erfüllen - nämlich die gemeinsame Wohnung 'abzufackeln' und die DVDs zu verschicken."

Über Schusswaffen im Besitz von Böhnhardt und Mundlos:

"Ich gewöhnte mich daran, ab und zu eine herumliegende Pistole zu sehen. Akzeptiert hatte ich es nie und beide des Öfteren aufgefordert, die Pistole wegzulegen - bis ich es vereinzelt auch selber machte. Im Laufe der Jahre hatten sie verschiedene Pistolen, wobei ich diese nicht unterscheiden konnte und es bis heute nicht kann. Die genaue Anzahl ist mir nicht bekannt. Im Jahr 2011 ging ich schätzungsweise von rund einem Dutzend Waffen aus."

Über den Videofilm, in dem sich der NSU mit seinen Morden brüstet:

"Den 15-minütigen 'Bekennervideofilm' habe ich erstmals in der Hauptverhandlung gesehen. Im Jahr 2000/2001 hatte ich aus Gesprächen zwischen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt mitbekommen, dass Uwe Mundlos eine DVD über seine Raubüberfälle erstellen wollte. Am Computerbildschirm hatte ich das nicht gesehen und ich hatte ihn auch nicht konkret darauf angesprochen. Uwe Mundlos hielt sich oft stundenlang in seinem Zimmer auf und saß vor seinem Computer, wobei ich davon ausging, dass er spielte. (...) Über die Jahre hinweg (...) habe ich immer wieder einmal die Paulchen-Panther-Melodie aus dem Zimmer des Uwe Mundlos gehört, habe mir aber nie etwas dabei gedacht. Ich wusste, dass 'Paulchen Panther' seine Lieblings-Zeichentrickserie war."

Über ihre eigene Schuld:

"Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich zehn Morde und zwei Bombenanschläge nicht verhindern konnte. Ich fühle mich moralisch schuldig, dass ich nicht in der Lage war, auf Uwe Mundlos und auf Uwe Böhnhardt entsprechend einzuwirken, unschuldige Menschen nicht zu verletzen und nicht zu töten. (...) Ich fühle mich moralisch schuldig, dass bei 15 Raubüberfällen die betroffenen Personen körperlichen und seelischen Schaden davongetragen haben - um selbst finanziell gesichert leben zu können. (...) Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Opfern und Angehörigen der Opfer der von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt begangenen Straftaten."

NSU-Prozess

Zschäpe-Anwalt Grasel attackiert seine Kollegen

Die Angeklagte habe sich 2011 nicht gestellt, um dann zu schweigen. Von ihren Alt-Anwälten sei Zschäpe aber dazu gedrängt worden.