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NS-Verbrecher Aribert Heim:"Schlächter von Mauthausen ist tot"

Der KZ-Arzt Aribert Heim, der hunderte Häftlinge durch grausame Medizinexperimente ermordete, soll nach Berichten des ZDF bereits 1992 in Kairo gestorben sein.

Robert Probst

Der wohl meistgesuchte NS-Verbrecher der Welt, der frühere KZ-Arzt Aribert Heim, ist seit langem tot. Das berichtete das ZDF nach einer gemeinsamen Recherche mit der New York Times am Mittwochabend. Demnach ist Heim, auch genannt "Doktor Tod" oder "Schlächter von Mauthausen", bereits im Jahr 1992 in Kairo gestorben.

Der NS-Verbrecher Aribert Heim soll bereits vor Jahren in Kairo gestorben sein.

(Foto: Foto: AP)

Bisher waren die Behörden in Deutschland und die Fahnder des Simon-Wiesenthal-Centers davon ausgegangen, dass der gebürtige Österreicher noch lebt und sich in Südamerika versteckt hält. Er wird beschuldigt, im KZ Mauthausen bei Linz unvorstellbar grausame Medizinexperimente an Häftlingen vorgenommen und Hunderte von ihnen ermordet zu haben. Heim wäre heute 94 Jahre alt.

Nach Angaben des ZDF lässt sich "zweifelsfrei nachweisen", dass ein am 10. August 1992 in Kairo gestorbener Mann mit dem Namen Tarek Farid Hussein und der NS-Verbrecher "ein und dieselbe Person sind". Heim habe sich fast 30 Jahre in Ägypten versteckt gehalten, Anfang der achtziger Jahre sei er sogar zur Tarnung zum Islam konvertiert und habe einen ägyptischen Namen angenommen.

Als Beweise sollen etwa hundert Dokumente vorliegen, darunter der Pass von Heim und persönliche Briefe. Zahlreiche Zeugen hätten die Recherchen bestätigt, unter ihnen ein Sohn von Heim; dieser sei an unheilbarem Enddarmkrebs gestorben. Der Leichnam sei auf einem Armenfriedhof in Kairo begraben worden, die Chance, sterbliche Überreste zu finden, sei jedoch gering.

Die NS-Karriere des 1914 geborenen Heim war kurz, aber von extremer Brutalität geprägt. 1940 trat der Jungmediziner der Waffen-SS bei, wenig später wurde er ins KZ Mauthausen abkommandiert. Dort ermordete er innerhalb weniger Monate Hunderte Häftlinge bei medizinischen Versuchen - vor allem durch das Experimentieren mit tödlichen Benzininjektionen ins Herz.

Auch soll er gesunden Häftlingen ohne Narkose zu Übungszwecken die Bauchdecke geöffnet und diverse Organe entnommen haben, woraufhin diese unter qualvollen Schmerzen starben. Historiker stellen Heims' Sadismus auf eine Stufe mit dem des berüchtigten KZ-Arzts von Auschwitz, Josef Mengele. Nach Ende des Weltkriegs arbeitete Heim zunächst als Arzt in Süddeutschland. Erst nachdem 1962 Anklage erhoben worden war, tauchte er unter.

Seit Jahren waren ihm vor allem die Fahnder des Wiesenthal-Centers auf der Spur, Heim wäre auch kaum zu übersehen gewesen: er war 1,90 Meter groß und hatte eine auffällige Mensurnarbe im Gesicht. Er stand zuletzt ganz oben auf der Liste der meistgesuchten NS-Verbrecher. Immer wieder wähnten sich die Nazi-Jäger beinahe am Ziel.

So wurde Heim im Oktober 2005 an der Costa Blanca in Spanien vermutet. Damals hatte es diverse auffällige Geldtransaktionen von Deutschland nach Spanien gegeben. Auch dass sein gut gefülltes Berliner Konto noch nicht von seinen Nachkommen beansprucht wurde, galt als Hinweis, dass Heim noch lebte. Ebenfalls als mögliche Aufenthaltsorte wurden immer wieder die Schweiz oder Staaten in Südamerika genannt, wohin sich nach dem Weltkrieg zahlreiche ehemalige NS-Größen abgesetzt hatten. Auch früher war aber schon von Ägypten die Rede gewesen.

Noch im Juli 2008 ging der Direktor des Simon-Wiesenthal-Centers in Jerusalem, Efraim Zuroff, Hinweisen nach, wonach sich Heim in Argentinien oder der Gegend der südchilenischen Stadt Puerto Montt aufhalten sollte, wo eine Tochter von Heims lebt. Am Mittwochabend zeigte sich Zuroff zurückhaltend über die ZDF-Berichte; er schloss Heims Tod nicht aus, doch die Dokumente müssten erst von Experten begutachtet werden.

Im vergangenen September sendete die ARD einen Film über "Die Jagd nach Doktor Tod"; mit einem zehn Mann starken Team hatten sich auch die Redakteure auf die Spuren des NS-Verbrechers in Chile gemacht - und ihn nicht gefunden.

© SZ vom 05.02.2009/jkr
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