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NS-Ideologe Alfred Rosenberg:Furchtbarer Nazi und Egomane

Erst im Jahre 2013 waren Rosenbergs Tagebücher, die der US-Ankläger Robert Kempner seinerzeit an sich genommen hatte, wieder aufgetaucht - sie sind die Grundlage der Koop'schen Untersuchung.

Angesichts der Vielzahl von Rosenbergs Ämtern und des umfangreichen Dokumentenbestands, den sein Biograf oft in ermüdender Länge ausbreitet, zeichnet Koop das Bild eines furchtbaren Nazis in der Diskrepanz zwischen dessen übersteigerter Egomanie und seinem tatsächlichen Einfluss in der real existierenden NS-Politik.

Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse

Nazi-Führung vor Gericht

Ein Rädchen im Getriebe der nationalsozialistischen Gewaltpolitik war Rosenberg gewiss nicht - er war ein Rad, ein Überzeugungstäter. Und so endete seine Karriere als "anerkannter Parteiphilosoph" folgerichtig am Strick, wozu ihn die Richter im Nürnberger Prozess als einen der "Urheber des Rassenhasses" verurteilt hatten.

Als Hauptkriegsverbrecher wurde er, der sich auch vor Gericht als intransigenter Nationalsozialist präsentiert hatte, schuldig gesprochen wegen Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Planung, Eröffnung und Durchführung eines Angriffskrieges, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Den Tod habe er verdient, urteilt Koop, denn er sei es gewesen, der dem Holocaust den Boden bereitet und den Nationalsozialisten die "philosophische" Rechtfertigung für den Mord an Millionen Juden geliefert habe.

"Philosophische" Rechtfertigung für die Shoa

Der amerikanische Gerichtspsychologe Gustave M. Gilbert notierte nach einem Besuch in der Zelle des Angeklagten Rosenberg einmal, dieser sei verärgert gewesen, weil der Mitangeklagte Baldur von Schirach, seinen, Rosenbergs, Einfluss als unbedeutend abgetan habe.

Nachdem durch den Prozess das Ausmaß des Judenmords sichtbar geworden war, pochte Rosenberg darauf, mit seinen Aussagen und Schriften Einfluss genommen zu haben, mithin mitverantwortlich zu sein. Unbeirrbar in seinem ideologischen Denken, fanatischer Antisemit, eitel und intrigant, blieb er bis zuletzt dem Führer treu ergeben.

Noch im Gefängnis schrieb er: "Der Nationalsozialismus war eine europäische Antwort auf die Frage eines Jahrhunderts. Er war die edelste Idee, für die ein Deutscher die ihm gegebenen Kräfte einzusetzen vermochte. Er war eine echte soziale Weltanschauung und ein Ideal blutbedingter kultureller Sauberkeit."

Das Todesurteil gegen Alfred Rosenberg wurde in den frühen Morgenstunden des 16. Oktober 1946 vollstreckt. Dem Geistlichen, der ihn fragte, ob er für ihn beten solle, gab er mürrisch zur Antwort: "Nein, danke."

Ludger Heid ist Neuzeithistoriker. Er lebt in Duisburg.

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