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Betrug bei Corona-Soforthilfe:Kriminelle kopieren Webseite des NRW-Wirtschaftsministeriums

Betrug um Soforthilfe: Behörden wollen Fake-Seiten beschlagnahmen

Eine Frau schaut auf eine gefälschte Internetseite zu Soforthilfe in NRW.

(Foto: dpa)
  • Unter einer am Mittwoch registrierten Seite haben mutmaßlich Kriminelle eine hundertprozentige Kopie der Webseite des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums erstellt.
  • Ziel der aufwändigen Fälschung ist offenbar, Daten von Unternehmern abzugreifen, um Corona-Soforthilfen auf eigene Konten umzuleiten.
  • Es ist nicht der erste Betrugsversuch in NRW im Zusammenhang mit der Pandemie.
  • Auf die jetzt entdeckte Fälschung waren die Behörden erst durch Recherchen von SZ, NDR und WDR aufmerksam geworden.

Von Jan Willmroth, Frankfurt

Ein neuer Fall von professionellem Online-Betrug hat die Landesregierung in Nordrhein-Westfalen am Ostersonntag in Alarmstimmung versetzt. Unter einer am Mittwoch registrierten Seite haben mutmaßlich Kriminelle eine hundertprozentige Kopie der Webseite des Landeswirtschaftsministeriums erstellt. Ziel war es offenbar, über Ostern die Daten von Unternehmern und Selbständigen abzugreifen, die per Onlineformular Corona-Soforthilfen beantragen wollten, und Hilfsgelder auf eigene Konten umzuleiten. Vertreter des nordrhein-westfälischen Innenministeriums und des Wirtschaftsministeriums bestätigten am Sonntag entsprechende Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR.

Die Betrüger hinter der Fake-Seite wirtschaft-nrw.info haben offenbar großen Aufwand betrieben. Selbst für Fachleute der Behörden war die Fälschung nicht auf den ersten Blick erkennbar. Den Recherchen zufolge befindet sich der Server der gefälschten Webseite in den USA. Die Betreiber verstecken sich hinter einem Verschleierungsservice aus Panama.

Die gefälschte Seite wurde erst am Mittwoch registriert ‑ mutmaßlich in der Absicht, über Ostern die Daten von Soforthilfe-Antragsstellern zu stehlen, um sie später mit anderen Kontodaten auf der offiziellen Antragsseite einzugeben. "Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass die Seite abgeschaltet wird. Und wir können nur dringend davor warnen, auf Fake-Seiten persönliche Daten zu hinterlassen", sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums. Das offizielle Antragsformular sei abgeschaltet. Das hatte die Landesregierung nach einem früheren Betrugsverdacht veranlasst. Ermittler im Cybercrime-Kompetenzzentrum des Landeskriminalamts sind jetzt damit befasst, die gefälschte Ministeriums-Webseite vom Netz zu nehmen - was angesichts der Umstände der Registrierung allerdings schwieriger werden könnte als in früheren Fällen.

Vor wenigen Tagen waren Fälschungen des Onlineformulars aufgetaucht, über das Kleinbetriebe in Nordrhein-Westfalen die vom Bund zugesagten Soforthilfen beantragen können: 9000 Euro für Solo-Selbständige und Betriebe bis fünf Mitarbeiter, 15 000 Euro für Kleinunternehmen bis zehn Mitarbeiter. Über Google waren Antragsteller auf den entsprechenden Fake-Seiten gelandet. Nachdem das Wirtschaftsministerium und mehrere Betroffene Strafanzeige erstattet hatten, hat das LKA eine eigene Ermittlungskommission eingerichtet. Mehrere Webseiten wurden inzwischen vom Netz genommen. Auf die jetzt entdeckte Fälschung waren die Behörden erst durch die Recherchen von SZ, NDR und WDR aufmerksam geworden.

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Am Donnerstag hatte die Landesregierung die Auszahlung der Hilfsgelder und später auch die Antragsstellung ausgesetzt. Nach ersten Erkenntnissen seien 3500 bis 4000 Unternehmer betroffen, hieß es am Donnerstag in einer Presseerklärung von Innen- und Wirtschaftsministerium. Rein rechnerisch könnte bereits ein Schaden in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe entstanden sein - je nachdem, wie erfolgreich die Betrüger damit waren, unter falschem Namen Hilfsgelder auf ihre eigenen Konten umzulenken. Die Ministerien raten dringen, immer genau auf die Webadresse zu achten: Offizielle Seiten des Landes NRW enthalten immer ein ".nrw", wie etwa die Original-Homepage des Wirtschaftsministeriums: https://www.wirtschaft.nrw. In jedem Fall sollten Nutzer Webseiten sorgfältig prüfen, bevor sie persönliche Daten eingeben - denn allein die Domain ist noch kein Beweis dafür, dass eine Seite echt ist.

© SZ.de/jsa/gba
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