Stützpunkt in der Arktis Russen mieten sich in norwegische Militärbasis ein

Bis 2013 war die U-Boot-Basis Olavsvern ein Hochsicherheitsgebiet der norwegischen Marine.

(Foto: Jan-Morten Bjornbakk/AFP)
  • Norwegen hat vor zwei Jahren einen Marinestützpunkt in der Arktis an einen privaten Investor verkauft. Dieser vermietet die Basis nun an russische Schiffe, die dort überwintern.
  • Moskau verstärkt aktuell die Präsenz rund um den Nordpol.
  • In Norwegen wird der Verkauf des Stützpunkts mittlerweile scharf kritisiert.
Von Silke Bigalke, Stockholm

Zum Schnäppchenpreis hat die norwegische Regierung 2013 den Marinestützpunkt Olavsvern weit oben im Norden verkauft: Die einst geheime Basis für U-Boote und andere Militärschiffe, versteckt im Felsen, gebaut für mehrere Milliarden Kronen in Zeiten des Kalten Kriegs, hatte sie damals auf vielen Farbfotos gut ausgeleuchtet ins Internet gestellt und über Finn.no, das norwegischen Pendant von eBay, zum Verkauf angeboten.

Etwas mehr als zwölf Millionen Euro (105 Millionen Kronen) wollte sie für die "einzigartige Immobilie" nahe der Stadt Tromsø haben. Der private Investor Gunnar Wilhelmsen zahlte am Ende etwa ein Drittel davon. Jetzt vermietet er den gut versteckten Stützpunkt ausgerechnet an russische Schiffe, drei sollen in der Olavsvern-Basis überwintert haben.

Offenbar handelt es sich dabei um Forschungsschiffe für seismische Untersuchungen, die Berichten zufolge auch dem russischen Staatskonzern Gazprom zuarbeiten. Eigentümer Wilhelmsen preist Olavsvern im Internet als Anlaufstelle für die Erdöl- und Erdgasindustrie an: Eine 25 000 Quadratmeter große Anlage im Berg mit 3000 Quadratmetern Tiefsee-Kai, außerdem seien 124 Schlafzimmer verfügbar.

Scharfe Kritik ehemaliger norwegischer Militärs

In den vergangenen Tagen haben sich mehrere ehemalige Befehlshaber des norwegischen Militärs zu Wort gemeldet und den gesamten Vorgang einmal mehr scharf kritisiert. Gerade jetzt, wo Moskau seine Präsenz in der Arktis stark erhöht und Kriegsschiffe in die Barentssee geschickt hat, an die außer Russland nur Norwegen grenzt, könnte Norwegen den Stützpunkt im hohen Norden selbst gut gebrauchen, so ihre Argumentation.

Auch der pensionierte Vizeadmiral Jan Reksten war bereits vor Jahren gegen den Verkauf. "Es war die einzige richtige U-Boot-Basis, die Norwegen außerhalb von Bergen hatte", sagt er. "Es erschien töricht, diesen wichtigen Stützpunkt zu verkaufen." Nun, wo sich Russland offenbar wieder aggressiver verhalte, sei der Verkauf noch kritischer zu bewerten.

Beschlossen wurde der Verkauf vom damaligen Ministerpräsident Stoltenberg

Beschlossen hatte ihn 2009 der damalige sozialdemokratische Ministerpräsident Jens Stoltenberg, heute Nato-Generalsekretär. Die Regierung trennte sich damals von vielen militärischen Einrichtungen, weder Norwegen noch die Nato hatten noch Verwendung für den Stützpunkt Olavsvern. Dieser sei nun völlig privat und gehe das norwegische Militär nichts mehr an, sagt Asgeir Spange Brekke, Berater im Verteidigungsministerium. "Sollte dort etwas Illegales passieren, müsste sich die Polizei darum kümmern."

Vizeadmiral Reksten kann gut verstehen, dass sich die Russen Tromsø zum Überwintern ausgesucht haben. Die Stadt sieht sich selbst gerne als Hauptstadt der Arktis und hat einen eigenen Flughafen. Wie groß die Besatzungen der russischen Schiffe sind und ob die Sorge vor Spionage gerechtfertigt ist, kann Reksten nicht sagen. "In Russland gibt es enge Verbindungen zwischen den Reedereien und dem Staat", sagt er. "Man kann immer den Verdacht haben, dass der Nachrichtendienst mitmischt." Seine Hauptsorge sei allerdings, dass überhaupt russische Schiffe einen Stützpunkt nutzen können, "der eigentlich Teil der norwegischen Marine sein sollte".