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Nordrhein-Westfalen:Die Toten beim Love-Parade-Unglück begleiten ihn noch heute

Andererseits: Krise - das kann er eben auch, das hat er ganz am Anfang seiner Amtszeit ganz schnell, auf sehr brutale Weise lernen müssen. An Tag zehn besuchte er die Polizei in seiner Heimatstadt Duisburg - ohne zu ahnen, welche Katastrophe sich dort gerade anbahnte.

Die 21 Toten beim Love-Parade-Unglück begleiten ihn noch heute, obwohl da kein Fehler war, wofür ein so frisch ins Amt gekommener Minister verantwortlich gewesen wäre. Jäger reagierte schnell, versprach Offenheit und Untersuchungen, griff den Veranstalter an und die Stadt. Die Polizei nahm er nahezu vorbehaltlos in Schutz. Es war ein Muster, das er später beibehielt: rasch reden, rasch lernen, rasch handeln.

Übergriffe in Köln Abschlussbericht zur Kölner Silvesternacht: 1000 Seiten Vorwürfe
Untersuchungsausschuss

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In überraschend scharfen Formulierungen listet der Untersuchungsausschuss schwere Fehler von Polizei und Stadt auf. So habe das Präsidium in jener Nacht möglichst viele Beamte vom Dienst verschonen wollen.

Nur ist er bisweilen allzu rasch - was ihn schon öfter in Schwierigkeiten gebracht hat. Das Konzept der Polizei "hat funktioniert", behauptete er, nachdem rechtsextreme Hooligans in Kölns Innenstadt randaliert hatten - angesichts Dutzender von der Übermacht der Schläger verprügelter Polizisten kaum nachvollziehbar.

Am Kölner Polizeipräsidenten, den er selbst installiert hatte und der auch sonst seine Truppe nicht im Griff hatte, hielt Jäger fest. Erst nach der für viele Frauen so traumatischen Silvesternacht feuerte der Minister den Parteifreund innerhalb von acht Tagen.

Jäger kann in seiner Offenheit schroff sein. So hat er sich, auch unnötig, Gegner gemacht. Kaum war etwa Frank-Jürgen Weise an die Spitze des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge gekommen, putzte ihn Jäger bei einer Innenministerkonferenz herunter. Der ebenso machtbewusste Weise nahm das übel. Zu einem persönlichen Kontakt zwischen dem für die Flüchtlingspolitik so wichtigen Behördenleiter und dem für Flüchtlinge zuständigen Minister kam es danach nicht mehr.

"Wir müssen eine freie, offene Gesellschaft bleiben"

Die Katastrophen und Kalamitäten verdecken Erfolge, die Jäger zum nach wie vor wichtigsten Mann im Kabinett von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft machen. Unter der Ägide des auch für Kommunales zuständigen Ex-Stadtrats hat das Land die Haushalte der vielfach völlig überschuldeten Städte wieder ins Lot gebracht.

Die Polizei, unter der Vorgängerregierung arg heruntergespart, bekommt neue Stellen und Ausstattung. Jäger ließ Verstärkung in Problemstadtteile wie Duisburg-Marxloh schicken und Präventionsprogramme entwickeln, die unter Jäger-typisch schmissigen Titeln wie "Wegweiser" oder "Kurve kriegen" verhindern sollen, dass junge Salafisten oder Intensivtäter weiter abdriften.

Recht und Ordnung, da gibt sich der Sozialdemokrat der markigen Worte auch überzeugt, lassen sich von Polizei, Verfassungsschutz und Gesetzen allein nicht schützen: "Wir müssen eine freie, offene Gesellschaft bleiben." Das liest er ab.

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