bedeckt München 15°

Nordrhein-Westfalen:Für Gütersloh reicht es noch nicht

Corona-Testzentrum am Flughafen Gütersloh

Alltag mit Abstrichen: 40.000 Menschen sind in der Region um Gütersloh in der vergangenen Woche auf das Coronavirus getestet worden.

(Foto: David Inderlied/dpa)

Die Infektionsschutzmaßnahmen werden nach dem Tönnies-Ausbruch verlängert. In Warendorf dagegen enden sie.

Von Kristiana Ludwig, Düsseldorf

Nach dem massiven Coronavirus-Ausbruch in der Fleischfabrik Tönnies hat der betroffene Landkreis Gütersloh seine Infektionsschutzmaßnahmen um eine Woche verlängert. Im Nachbarkreis Warendorf dagegen sollen die besonderen Einschränkungen an diesem Dienstag enden, gab der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bekannt. In Warendorf sanken die Infektionszahlen in den vergangenen sieben Tagen wieder auf 22 Personen pro 100 000 Einwohner. In Gütersloh dagegen lag dieser Wert am Montag laut Robert-Koch-Institut noch bei knapp 113 Infizierten.

"Die Testergebnisse der nächsten Tage", sagte Laschet, müssten zeigen, ob sich die Lage auch in Gütersloh entspanne. Er sei aber zuversichtlich. Während sich mehr als 1500 Tönnies-Mitarbeiter mit dem Virus infiziert hatten - 40 von ihnen liegen laut Landesregierung mittlerweile im Krankenhaus -, seien es nur rund 100 Menschen, die in der restlichen Bevölkerung das Virus in sich tragen. Laschet nannte die Corona-Übertragung auf Personen, die nicht mit Tönnies im Zusammenhang stehen, "leicht". In Warendorf habe es sie gar nicht gegeben. Insgesamt seien knapp 40 000 Menschen in der Region getestet worden, sagte Laschet. Der Ministerpräsident wies die anhaltende Kritik der Opposition an seinem Krisenmanagement in der Corona-Pandemie zurück. Mit den Infektionsschutzmaßnahmen würden Grundrechte von Hunderttausenden Menschen eingeschränkt. Da dürfe man "nicht in Schnellschüssen Entscheidungen fällen, wie sie leider im parteipolitischen Wettbewerb in diesen Tagen immer wieder gefordert werden".

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) kündigte an, alle Betriebe, die in dem Bundesland Fleisch verarbeiten, zwei Mal in der Woche zu Tests ihrer gesamten Belegschaft zu verpflichten. Auch für Menschen, die von einer Senioren- oder Behinderteneinrichtung in ein Krankenhaus wechseln oder umgekehrt, gebe es eine Test-Pflicht. Laumann suche außerdem nach einer rechtlichen Grundlage, um den Arbeitsschutz in diesen Firmen zu verstärken.

Der Landrat des Kreises Gütersloh, Sven-Georg Adenauer (CDU), sagte, der Trend in seiner Region sei "mutmachend". Ziel ist schließlich, dass auch hier die Zahl der Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen unter der von Bund und Ländern vereinbarten Marke von 50 bleibe. Man sei sich aber der "großen Verantwortung bewusst", auch gegenüber den Menschen außerhalb von Gütersloh. "Die Firma Tönnies wird erst dann wieder produzieren, wenn von dieser Firma überhaupt keine Gefahr mehr für die Bevölkerung ausgeht", sagte Adenauer. Bis es so weit ist, seien dort "noch viele Hausaufgaben zu machen".

© SZ vom 30.06.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite