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Nordrhein-Westfalen:Burschenschafter lehrt an Bonner Berufskolleg

  • An einem Bonner Berufskolleg unterrichtet Politiklehrer K., der Mitglied in einer womöglich rechtsextremen Burschenschaft ist.
  • Bislang haben die Schulbehörden keinerlei "vorwerfbares Verhalten" von K. im Unterricht festgestellt.
  • Die Schulleitung soll einem Schüler in der Causa mit Rauswurf gedroht haben, bestreitet dies aber.

Von Oliver Das Gupta und Antonie Rietzschel

"Lieber Herr K.", beginnt ein offener Brief an einen Bonner Politiklehrer, der gleichzeitig Aufrechnung, Abrechnung und Aufforderung ist. Er wurde am Robert-Wetzlar-Berufskolleg verteilt, wo K. unterrichtet - aber auch auf Facebook veröffentlicht. Darin wird angeprangert, dass sich der Lehrer in einer rechtsextremen Burschenschaft engagiert.

Die Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn veranstaltete im September 2014 einen "Zwischentag", auf dem sich allerlei Deutschnationale und Muslimhasser versammelten. Unter den Gegendemonstranten war auch einer von K.s Schülern und Mitverfasser des offenen Briefes. Der will K. bei der Begrüßung von Gästen gesehen haben - "in einer Art militärischer Uniform", heißt es in dem Brief. Tatsächlich findet sich der volle Name von K. in Verbindung mit den Raczecks in einem offiziellen Schreiben des Dachverbands Deutsche Burschenschaft.

Der Schüler sprach K. auf sein Engagement an. Wie es in dem Brief heißt, soll dieser daraufhin seine Rolle kleingeredet haben. In dem Brief wird der Schulleitung des Berufskollegs vorgeworfen, dass sie den Schüler zum Schweigen habe bringen wollen: Als dieser K.s fragwürdige Verbindungen thematisiert habe, soll ihm mit dem Rauswurf gedroht worden sein. Die Schule bestreitet, dass dem Schüler gedroht wurde. "Das ist falsch" sagt Schulleiterin Birgit Hufnagel SZ.de.

Die Mitgliedschaft des Lehrers in der Burschenschaft sei bereits seit zwei Jahren bekannt, so die Rektorin. Sie selbst ist seit August 2014 an der Schule. Probleme habe es mit dem Kollegen nie gegeben: "Der Lehrer macht einen sachlich richtigen Unterricht. Bisher gab es nichts auszusetzen", so Hufnagel.

Im Oktober vergangenen Jahres habe es ein Gespräch mit ihr, K. und dem Schüler gegeben, der auf der Gegendemonstration war. Über den Inhalt will sie keine Auskunft geben. Allerdings schien Hufnagel davon auszugehen, dass die Sache geklärt sei, denn über das Auftauchen des Briefes ist sie sichtlich empört. Einige Schüler hätten sich mit K. solidarisiert.

Zuspruch für den Mann, der Bonhoeffer schmähte?

Die Nähe zur Raczek zu Bonn ist nicht unproblematisch. Sie gehört dem Dachverband Deutsche Burschenschaft an (DB) und ist dort sogar im Vorstand vertreten. In den vergangenen Jahren haben sich viele liberale Burschenschaften vom DB getrennt. Zurück blieb eine Gruppe rechtsextremer Studentenverbindungen. Eine Entwicklung, die die Raczeks vorangetrieben haben. Im Juni 2011 forderten Mitglieder der Burschenschaft die Einführung eines "Arier-Nachweises". Der entsprechende Antrag wurde zwar vor dem Treffen des DB zurückgezogen. Doch die Spaltung des Verbands nahm ihren Lauf.

Zu den "Alten Herren" der Raczeks gehört unter anderem Norbert Weidner, der in der Vergangenheit in der Neonazi-Szene aktiv war. Er hält den kurz vor Kriegsende in einem Konzentrationslager ermordeten evangelischen Theologen und NS-Gegner Dietrich Bonhoeffer für einen "Landesverräter".

Heute gelte es "als en vogue, jegliche Kritik am Nationalsozialismus zu glorifizieren, auch wenn die damaligen Kritiker sich zu Lasten von Deutschland und seinen Volksangehörigen wendeten", schrieb Weidner in einem Leserbrief, der in dem Bundesbrief der Bonner Burschenschaft veröffentlicht wurde.

Als es 2012 im Dachverband Deutsche Burschenschaft heftige Diskussionen um Weidner gab, soll sich K. dem Brief zufolge mit ihm solidarisiert haben. "Meinen Bundesbruder Weidner bitte ich von Herzen, niemals darüber nachzudenken, unser Band abzulegen und den Bund zu verlassen!", wird K. zitiert.

Für den Lehrer dürfte sich nichts ändern

In dem Brief wird der Lehrer aufgefordert, das "braune Sammelbecken" zu verlassen. Ob er dazu bereit ist, bleibt offen. Er war für ein Gespräch mit SZ.de nicht zu erreichen.

Ändern dürfte sich für K. nicht viel. Bislang haben die Schulbehörden keinerlei "vorwerfbares Verhalten" von K. im Unterricht festgestellt, sagt Bodo Klein, Pressesprecher der Bezirksregierung Köln zu SZ.de. Klar sei: K. dürfe seine politische Überzeugung nicht im Unterricht äußern. Was K. privat macht, sei seine Sache. Schließlich sei die Studentenverbindung "keine Organisation, die verboten wäre". Der Bezirksregierung liegt nun daran, dass der Schulfriede wieder hergestellt wird. Gespräche mit allen Beteiligten sind geplant.

© SZ.de/rus
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