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Nordrhein-Westfalen:52 leere Laster

Beinahe wäre die Landesregierung Trickbetrügern auf den Leim gegangen. 15 Millionen Euro waren im Spiel, das meiste konnte gerettet werden. Schutzmasken will das Land nun nicht mehr bestellen, sondern selbst produzieren.

Von Christian Wernicke

Es ist noch einmal gut gegangen. Das jedenfalls beteuert Karl-Josef Laumann, der Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen (CDU): "Kein finanzieller Schaden" sei NRW entstanden beim Versuch noch flüchtiger Trickbetrüger, die Düsseldorfer Landesregierung um knapp 15 Millionen Euro zu prellen. Die unbekannten Täter hatten über Zwischenhändler zehn Millionen dringend benötigter Atemschutz-Masken feilgeboten - nur, die derzeit lebensrettende Ware existierte nicht.

Laumann deutet die bittere NRW-Erfahrung als Exempel für die weltweite Lage: "Der Markt für Schutzausrüstung ist im Wesentlichen zusammengebrochen", glaubt er, "es herrschen Wildwest-Manieren mit kriminellen Machenschaften." Details des Verbrechens ermittelt noch die Staatsanwaltschaft Traunstein. Dass die Anbieter der Phantom-Masken nicht "sauber" waren, war bereits fünf Tage nach der Eil-Bestellung vom 22. März 2020 aufgefallen. Da hatte Düsseldorf allerdings bereits 14,7 Millionen Euro an ein Schweizer Vertriebsunternehmen und dessen deutsche Tochterfirma überwiesen. Deren Geschäftsführer leistete offenbar in gutem Glauben eine Anzahlung von 2,4 Millionen Euro an die Täter, zudem orderte er 52 Transporter, die die Lieferung aus den Niederlanden nach NRW bringen sollten. Doch es kam - nichts. Der Unternehmer erstattete Anzeige.

12,32 Millionen Euro erhielt Laumanns Ministerium bereits zurück, mehr als zwei Millionen konnten die Ermittler auf ausländischen Konten einfrieren. Die restlichen mehr als 300 000 Euro, so ein Ministeriumssprecher, wolle der Unternehmer noch erstatten.

Die Moral von der Geschicht'? Bleibe im Land und schütze Dich redlich: Ab sofort soll ein Bielefelder Unternehmen, bisher auf die Produktion von Lärmschutzfolien für Autos spezialisiert, "täglich 320000 Mund-Nasen-Schutzmasken 'made in NRW'" liefern. Macht bis Ende Juli insgesamt 29 Millionen Masken, Gesamtpreis 17 Millionen Euro.

© SZ vom 09.04.2020

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