Qu Dongyu hat der internationalen Öffentlichkeit noch nicht erzählt, wie es eigentlich in Nordkorea war. Dabei muss dieser Ausflug ins Reich des Machthabers Kim Jong-un auch für den weit gereisten Generaldirektor der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO etwas Besonderes gewesen sein. 2021 haben die letzten Mitarbeiter der Vereinten Nationen Pjöngjang wegen der strengen Coronavirus-Politik des Regimes verlassen. Seitdem war kein UN-Funktionär mit humanitärem Auftrag mehr dort.
Doch am Wochenende kam FAO-Chef Qu gleich mit einer ganzen Delegation. In Chefökonom Maximo Torero und Kabinettsdirektor Godfrey Magwenzi gehörten zwei weitere hohe FAO-Offizielle dazu. Das zumindest geht aus einem bebilderten Bericht der chinesischen Botschaft in Pjöngjang hervor. In diesem hieß es bereits am Montag, dass Botschafter Wang Yajun die Gäste empfangen habe.
Der Besuch der FAO-Spitzenkräfte in Pjöngjang ist ein Zeichen, das Hoffnung macht in diesen Zeiten, in denen Kim Jong-un sein Land immer mehr von den unparteiischen Hilfsnetzwerken der Welt zu entfremden scheint. Zwar wurde die Abschottung, die sein Regime wegen der Pandemie seit Anfang 2020 betrieb, längst gelockert. Der Grenzverkehr mit China läuft, der diplomatische Austausch mit dem befreundeten Ausland auch. Und vor allem die neu entdeckte Freundschaft mit Russland macht Dinge möglich, die vor einem Jahr noch unmöglich erschienen, etwa gegenseitige Staatsbesuche und Touristen im Skigebiet Masik-Ryong.
Mit Russland verhandelte Nordkorea um Waffen – und um Lebensmittel
Doch internationale Hilfsorganisationen durften bisher nicht zurückkommen. Dabei müsste es Bedarf an Unterstützung geben. In der harten Phase der Abschottung räumte sogar Kim Jong-un ein, dass Lebensmittel knapp seien. Trotz chinesischer Lebensmittelhilfe soll die Lage für viele im Land verzweifelt gewesen sein. Im vergangenen August berichtete UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über Nordkorea: „Wegen der begrenzten Mittel der staatlichen Wirtschaftsinstitutionen scheinen viele Menschen von extremem Hunger und akutem Medikamentenmangel betroffen zu sein.“
Nordkoreas Regierung ist sich der Not bewusst. Das sieht man schon daran, dass es in den jüngsten Verhandlungen mit Russland nicht nur um Waffen, sondern auch um Landwirtschaft ging. Im April war eine Delegation mit Ri Chol-man, dem Vorsitzenden der nordkoreanischen Agrarkommission, nach Moskau gereist. Danach erklärte der Russland-Experte Chris Monday von der Dongseo-Universität in Busan dem Fach-Portal NK News, dass Lebensmittelhilfe ein unverfängliches Mittel für Moskau sei, „seine Schulden bei Nordkorea für dessen Waffentransfers zurückzuzahlen“. Und nun darf also auch die FAO wieder in die Nordkorea-Hilfe einsteigen?
Das hoffen alle, die etwas für die Unterernährten im grimmen Alltag der Parteidiktatur tun wollen. Die Rückkehr der FAO würde bedeuten, dass Pjöngjang, „die Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft in Ernährungsfragen wiederaufnehmen will“, glaubt der Nordkorea-Forscher Peter Ward vom Sejong-Institut in Seoul. Das wäre auch eine gute Nachricht für andere Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz oder die Welthungerhilfe.
Aber ob der Besuch Qu Dongyus wirklich einen Durchbruch bedeutet, ist noch nicht klar. Der Bericht auf der Website der chinesischen Botschaft liest sich so, als sei es in Qus Gespräch mit dem Botschafter Wang nur um die Zusammenarbeit Chinas mit der FAO gegangen. Qu ist selbst ein chinesischer Ex-Agrar-Vizeminister, dem man nachsagt, dass er das chinesische Element in der FAO etwas zu sehr gestärkt habe. China wiederum wirkt in Nordkorea gerade etwas an den Rand gedrängt von Kim Jong-uns Zusammenarbeit mit Russland. Es kann also auch sein, dass Peking mit Qus Besuch vor allem auf sich selbst aufmerksam machen wollte. Was die FAO-Delegation in Pjöngjang neben den Fotos in der chinesischen Botschaft gemacht hat, wurde jedenfalls nicht bekannt.

